Samstag, 25. April 2015

Das entzündete Gesicht (fragment)


"Ich bin ja selbst schuld."

"Wie fühlst du dich damit?"

"Schrecklich. Ich hasse diesen Körper, dass er so etwas tut."

"Tu das nicht."

"Ich war mal hübsch."

"Das bist du immer noch. Du bist schön."

"Ich möchte nicht, dass du das sagst."

"Okay."

"Ich weiß nicht, was ich tun soll."

"Lass es weg."

"Es geht nicht mehr. Es sieht zu schrecklich aus."

"Es wird schlimmer, wenn du es nicht weg lässt."

"Ich weiß, aber ich kann nicht."

"Irgendwann musst du, das weißt du."

"Ich weiß das."

"Okay."

"Ja, ich weiß das doch."

Donnerstag, 23. April 2015

Teeküchenblues - Streik-Edition




Mittwoch 9:30 Uhr in der Teeküche des Borgwürfels. Die Teeküche des Borgwürfels ist mein Stahlbad. Wenn ich an manchen Tagen in einem Zustand der Verwirrung und Orientierungslosigkeit denke, dass sich doch irgendwann alles zum Guten wenden wird, gehe ich in die Teeküche und atme ein wenig nackte Realität, die mich ganz schnell wieder erdet. Die Teeküche schützt vor Übermut, gutem Karma und zu viel Idealismus. Denn hier herrscht die Bild. Promiflash.de. RTL. Heidi Klum. Vera Int-Veen. Claus Kleber für die Intellektuellen. Und Eckhart von Hirschhausen für die Spaßvögel. Fuck Filterblase. Hier spricht das Volk.

Es ist Streiktag. Die S-Bahn ist wieder platt, nur heute nicht wegen kaputtgesparter Züge, sondern wegen Ausstand. Und alle sind zu spät gekommen. Via proppevoller U-Bahn. Mit dem Auto durch den Stau. Oder durchgeschwitzt mit dem Fahrrad. Die allgemeine Laune ist nicht gut.

"Der drecks Weselsky."

"Ego-Schwein."

"Der sollte mal..."

"Man müsste den mal..."

"Abgesägt gehört der, abgesägt."

Was ich in den letzten Jahren gelernt habe: Tarifauseinandersetzungen führen in Deutschland nicht zur Solidarisierung gegen Konzernlenker und Kapitaleigner, sondern zu schillernden Hassausbrüchen gegen die, die mehr Geld wollen ohne in einem Vorstand zu sitzen. Deutschland. Wehe dem, der die Ruhe stört. Druckerpresse anwerfen. Dem Feind ein Gesicht geben. Teilen. Herrschen. Meinung machen. Oben an der Spitze edel und gut. Unten Abzocker. Das alte Leid. Oder doch nur das Stockholm-Syndrom.

Natürlich bin ich die Opposition. Ich bin in wesentlichen Dingen immer die Opposition und sage komische Dinge wie: "Streiken ist legitim. Soll die Bahn doch ihre Mitarbeiter außerhalb ihrer Belétage besser bezahlen anstatt sich kaputt zu sparen so wie sie es mit der S-Bahn machen."

Natürlich komme ich damit nicht durch. Ich komme nie damit durch. Mit nichts komme ich durch. Ich habe in meinem Leben noch nicht einen Menschen davon überzeugen können, dass seine Sicht der Dinge unsozial, unmenschlich oder meinetwegen auch nur unkollegial ist. Das ist in Zeiten, in denen der kalte Wind der Vereinzelung durch die Büroflure fegt, sowieso schon lange nicht mehr der Sinn der Dinge. Ich kommentiere nur noch fürs Protokoll. Um kund zu tun, dass ich nicht zustimme. Ah, der Oppositionelle wieder. Ist sich zu fein für die Bild. RTL. Claus Kleber. Gundula Gause. So ein Putinfreund. Ausländerfreund. Und jetzt auch noch Weselskyfreund. Wie niedlich. Ein echter Minderheitsvertreter.

Es ist ja nicht so, dass sie unfreundlich zu mir sind. Kein Stück. Ich werde nicht nur toleriert, sondern die Kundgabe der absoluten Mindermeinung wird sogar respektiert, wenn auch allgemein skeptisch beäugt, wenn sie zu oft oder gar dauerhaft geschieht. Daher streue ich gelegentlich unverfängliche Mehrheitsmeinungen ein, um mich nicht als komischer Kauz und grundsätzlicher Querulant wie der alte verbohrte SED-Lookalike-Hausmeister einer ist von der Meute zu separieren. Deshalb praktiziere ich partielles taktisches Zustimmen zu irgendwas. Der Kuchen ist aber lecker. Ist der mit Schmand? Der Sommer kommt auch immer früher. Bald feiern wir Weihnachten in der Badehose hahahaha. Ganz beliebt ist auch das Lästern über das Ausbleiben oder Stattfinden von Bauarbeiten ("Die Verbrecher machen hier nix", "Was machen die Verbrecher da wieder?"). Da bin ich Teil der Meute, da mach' ich mit. Ich gehöre sowas von dazu.

Beim Streik nicht. Da kämpfe ich auf dem aussichtslosesten aller aussichtslosen Posten, denn der Boden ist bereitet für die Einheitsgewerkschaften, denen ein Streik, der weh tut, wesensfremd sein wird. Unwiderstehlich zahnlos. Sie werden die Möglichkeiten für Streiks gesetzlich weiter einschränken. Das hat kurioserweise die SPD in die Debatte eingebracht. Weg mit der GdL. Und weg mit dem Weselsky. Der Tyrann. Nimmt uns alle in Geiselhaft. Wie der schon kuckt. 90% der Teeküche lehnen Streiks ab. Ich bin die 10%. Dem Hausmeister gefällt das.

"So ein Lokführer verdient weniger als jeder einzelne von euch - bei höherer Verantwortung als ihr sie habt", führe ich noch an als mir schon längst keiner mehr zuhört, weil sie schon überleiten zum nächsten Aufreger: Tote Flüchtlinge im Mittelmeer. Was kommen die auch hier her? Selbst schuld. Müssen ja wissen wie gefährlich das ist. Und dann auf diesen Booten. Was können wir dafür? Sollen zusehen, dass sie ihr eigenes Land aufbauen.

Ich drücke auf den Kaffeeautomatenknopf, so dass ich für einen Moment außer dem Rasseln der altersschwachen Automatenmühle nichts höre. Egal. Für heute bin ich sowieso durch. Genug Opposition für diese Uhrzeit. Der Lachsbagel von der hippen Espressobar wartet auf meinem Schreibtisch. 90% der Teeküche finden, dass der lecker ist. Und ich mittendrin. Morgen wieder. Morgen werde ich wieder opponieren. Oder auch nicht. Vielleicht stimme ich morgen wieder zu. Irgendeinem Konsens. Leckere Plätzchen. Angenehmes Parfum haben Sie da. Wetter schön. Die Frauenbeauftragte ist doof. Sowas.


Mittwoch, 22. April 2015

Bill ich




Groß art ich. Haben sie nichts besseres für die Plakate dieses unfassbar hässlichen Autos gefunden als den letzten Heuler aus der Wortspielhölle zu recyceln und Wörter, die auf -ig enden, mit dem Personalpronomen "ich" zu kombinieren, völlig egal wie hirnamputiert das dann klingt. Wortspiele. Holprig-unlustige zumal. Fantastisch. Ist noch nie dagewesen. Wahrscheinlich der Praktikant wieder. Ich kann mich kaum halten, so innovativ ist das. Wortspiele! Dass da noch keiner drauf gekommen ist. Ich will auch mitmachen, das ist so geil, ich will auch ein paar Possen reißen, Wortspiele aus der Idiotengruft, mehr davon, gleich geht's los, ich bin ganz aufgeregt:

Werber sind meist wider wärt ich

Und ihre Werbung stumpf sinn ich

Über flüss ich

Oder wahlweise verabscheuungs würd ich

Geist ich unzurechnungs fäh ich

oder wenn man so will

unverhältnis mäß ich

schmier ich und

un witz ich

vor allem auch ganz oft

unfrei will ich

lang weil ich

bei so was werd ich schlag art ich

gewalt tät ich

es ist schon über fäll ich

dass ich angriffs lust ich

mit einer Axt dieses hoch grad ich debile Ding

tat kräft ich und

hinter fotz ich

fälle.

Da sind wir in unserer Meinung doch wohl

ein hell ich.

Fump.

Oh. Das war ein Schlaganfall. Na endlich.

Boar mein Hirn ...


Dienstag, 21. April 2015

Lass mal netzwerken - Links vom 21. April 2015



Etwa 800 tote Menschen im Mittelmeer. Und mir fällt nur ein Wort ein: Frontex. Ein Brachialwort aus der Technokratenhölle. Woran erinnert es mich nur?

Die Links:


Lower Class MagazineEin einziges Mal
Frontex.

KiezschreiberRoth und Grau
Die Gesamtsituation. Ein Dialog.

Chris Kurbjuhns NetzeckeAre you kidding?
Die Gesamtsituation. Der Monolog. Off the record: Im Schillertheater habe ich Anfang der Nullerjahre Getränke für die Kulturschickeria ausgeschenkt. Ein schöner Ort. Ich hätte sicher die Aufführungen besucht, hätte ich sie mir von diesem Job leisten können.

Fliegende BretterDiese fatale Distanz
Die Gesamtsituation. Und der völlig zu Unrecht verstorbene Keyboarder der Doors.

WutDie Rede eines ehrlichen P’litikers auf der zentralen Gedenkveranstaltung
Einmal ohne Redenschreiber und Textbausteine.

Lumières dans la nuitDie große Volksbewegung
Was ich immer sage. Ein Land zu regieren ist eigentlich nicht schwer. Sorgen Sie für billiges Fleisch, billigen Alkohol, kostenloses Idiotenfernsehen und wechselnde Feindbilder. Und töten Sie um Himmels Willen Ihre Opposition nicht, sondern richten ihr ein Bällebad ein, in dem sie an sich selber rumspielen und sich gegenseitig neutralisieren kann. Ein Spaziergang.

Frei-BlogHartz IV-Tagebuch – Bratwurst und Kunst
.

Frau Meike sagtFamilienmitglied Krebs
Ein wichtiger Text über die Vorsorge. Bei mir ist neben dem obligatorischen Krebs auch der Alzheimer ein Familienmitglied. Leider nur Platz 2 in der Häufigkeit mag ich den irgendwie. Langsam bekloppt werden und es nicht mal mitkriegen. Besser sterben geht kaum, außer im Schlaf. Könnte ich wählen, ich nähme den Alzheimer.

biber.atBitte Männer, zahlt doch einfach!
Danke, ich habe schon so viel gezahlt, dass ich dafür einen ganzen Monat ins Artemis hätte einziehen können - bei voller Verpflegung. Texte wie dieser wecken in mir den Wunsch, dass der Feminismus diese Sorte Prinzesschen aus der Lilifee-Mottenkiste endlich final in den Orbit shitstormt. Orbit, Mond, Milchstraße, egal wohin. Nur weit weg. Zumindest weit weg von mir. (via Tante Jay)

Peppa loves 2 cook„Kennt ihr diese nachtragenden Wesen?“ „Elefanten?“ „Nein, Frauen!“
Es gibt so unendlich viele Texte von Frauen zur offenbar immens wichtigen Frage, wie Männer sein sollen. Und 20.000 verschiedene Meinungen dazu, die alle aufgeschrieben werden müssen, am besten als Liste. Wenn Sie sich als Mann an diesen zahllosen Vorgaben orientieren, werden Sie sehr unglücklich werden.

VirchVom freien Schweben der Gedanken über dem Meer
Viele Buchstaben über eine eigentlich banale Sache: Urlaub. Sehr schön geschrieben.

Irgendwie ein WassermannMeiner einer...
Irgendwie ein Spindschrankneurotiker. (wäre ein cooler Blogtitel btw...)

Was weg mussDie Mikrowelle muss weg
So ist er. Ordinär. Einfach nur ordinär.

schoenescheisseBicycle Day
Ordinär. Alle ordinär.

Katha kocht!Der Kretaner
Den Kretaner habe ich auch schon empfohlen und den kann man gar nicht oft genug loben. Ein wirklich großartiges Lokal.

Großartig ist es auch, wenn es zweimal brennt:

1x umrühren bitte aka KochtopfGeschmorte Schweinerippchen Asia-Style - brennt zweimal!



Samstag, 18. April 2015

Bier, ein geiler Laden und eine lange potthässliche Einleitung


"Was kann man von einem Sessel lernen? Die Gelassenheit gegenüber jedem Arschloch." 
Josef Hader


Falls Sie einen erweiterten Bedarf danach haben, verrate ich Ihnen heute einmal, wie Sie mich ärgern können. Vergessen Sie Flüche auf meine fette Mutter, die sich an einem Dönerspieß dreht, Drohungen, mich bei meinem unfähigen Chef zu verpfeifen, Disses gegen meinen Job, mit dem ich mir die Welt untertan mache, haltlose Unterstellungen, Kommentarflooding, Nazikeulen oder billige Provos vom Grabbeltisch der Trollklippschule. Zieht nicht.

Nein, es gibt nur eine Sache, mit der Sie mich wirklich ärgern können: Unterstellen Sie mir Kommerzabsichten. Ja, behaupten Sie einfach ins Blaue hinein, jemand würde mich für eine positive Empfehlung bezahlen. 100% Erfolgsgarantie auf einen Treffer. Schwöre. Ich ärgere mich wirklich für ein paar Minuten. No shit. Versprochen. Todsicherer Tipp.

Besonders nach dem frenetischen Jubelpersertext über den fabelhaften Mr. Hai am Savignyplatz aber auch nach meiner ekstatischen Hymne auf das russische Restaurant Voland ging eine niedliche Welle Hasspost über das Kontaktformular ein ("Lass dich doch auch noch kaufen, du Kommerznutte"). Und weil mich so etwas tatsächlich ärgert (übrigens, wussten Sie schon, dass mich das ärgert?), muss ich heute wieder einmal Dinge klarrücken, die ich eigentlich gar nicht klarrücken will: Ich will immer noch kein Geld. Und Geschenke auch nicht. Ich nehme nix. Sie dürfen mich auch nicht auf einen 18-jährigen Aberlour ins nicht minder fabelhafte Offside (eine geile Kneipe, ist das geil da, wie geil das da ist) einladen oder einen knuffigen Flattr-Button für mich drücken. Ich lasse Sie hier nicht einmal ein aus gut abgehangenen Blogtexten mit einer kostenlosen epub-App lieblos zusammengeklatschtes eBook kaufen, das von einem defizitären Indieverlag zum Mondpreis rausgegeben wird. Sie werden hier auch nie einen Link zu meiner Amazon-Wunschliste finden, damit Sie mich mit Geschenken überhäufen können, die ich mir nicht selber kaufen möchte, weil ich ja Sie dafür habe. Nix. Geben Sie Ihr Geld Leuten, die es brauchen. Flüchtlingsprojekte, Anlaufstellen für Arme (nein, ich schreibe nicht das behördendeutsch-neutrale Wort Bedürftige, es sind Arme, die das Gegenteil der Reichen sind, die ich ja auch nicht verniedlichend Wohlhabende nenne), dem Penner an der Ecke, jedem, der Hunger hat. Oder Durst. Ich will es nicht. Ich habe alles was ich brauche.

Zugegeben, ich kann die eruptiven Antikommerzreflexe sogar verstehen (jeder Widerwillen muss raus, sofort, stets übers Ziel hinaus und auf jeden Fall unsachlich, das ist immerhin das Internet, der Marktplatz die Kloake der Hysterie), denn nicht wenige Blogger lassen sich tatsächlich einladen, kaufen oder mit Gutscheinen, Eintrittskarten oder Geschenken für Gewinnspiele überschütten und sorgen dann im Gegenzug für Klicks und - wenn es gut läuft - Umsatz. Virale Werbung. Es gibt ganze Agenturen, die sich auf Blogger und ähnliche Multiplikatoren spezialisiert haben, und manche davon schreiben tatsächlich auch mich an. Kein Scheiß.

Ich schreibe dann zurück, dass ich auf dem Blog keine Werbung außerhalb von gemeinnützigen Aktionen mache, weder als Anzeige, noch als Sponsored Post oder verbrämten Produkttest und schon gar nicht versteckt in einem ganz normalen Text. Will ich nicht. Kommt hier nicht rein. Und dann schreibe ich meist noch, dass es mir schleierhaft ist, warum jemand überhaupt in einer manisch-depressiven Umgebung wie dieser hier werben wollen wöllte, worauf ich natürlich nie eine Antwort bekomme, weil Werber kein Interesse an einem Feedback auf Augenhöhe haben, sondern einfach nur ihren Scheiß an möglichst vielen Orten droppen wollen.

Also drehe ich heute wieder einmal die alte, gammlige Gebetsmühle und wenn Sie hier schon länger lesen, dann hängt es Ihnen wahrscheinlich wie mir zum Hals raus: Kein Geld, keine Einladungen und keine Geschenke, weder von Ihnen, die hier lesen, noch von Agenturen oder irgendwelchen Restaurants. Danke für die Angebote, sehr nett, sicherlich verlockend, tolle Theaterkarten haben Sie da, Knaller Record Release-Party mit ... wem nochmal? ... und Hammer-Currybutze da in Lichtenberg mit gaaanz viel fritz kola, voll toll, wirklich, aber: Nein. Es läuft so wie es immer schon lief: Ich finde manchmal Dinge gut, die meine Wege kreuzen, und dann kommen die hier rein. Ohne Geld. Ohne Zuwendungen. Ohne Geschenke.

So wie das hier.

Der Bogen.

Jetzt kommt er.

Ich will was empfehlen.

Ohne Hintergedanken.

Selbstlos wie ein Jesuit.

Oder ein staupeverseuchter Hundewelpe mit Bindehautentzündung in seinen großen traurigen Kulleraugen.

Getränkefeinkost.

Boxhagener Straße.



Ein wirklich saucooler Laden. Haben Sie Biertrinker im Freundeskreis? Wenn ja, dann ist zumindest ein Geschenk gesichert: Ungewöhnliche Biere. Entweder Berliner Biere aus winzigen Brauereien oder Bier aus Korea, Südafrika, Australien, dem gesamten Ostblock, Duff-Bier, Russenbier, Ami-Plörre, Mexiko, Finnland, Kroatien, Slowakei, verdammt viel, was sich irgendwie Bier nennt, ist da am Start. Es ist schwer geworden, mich noch für irgendwas zu begeistern, was nicht mindestens 40% hat, doch dir gelingt es, Bierkönig.

Da kommt man rein und hat keine Ahnung und dann kommt einer hinter der Theke vor und macht, dass man Ahnung hat. Ich mag es sehr, wenn jemand mit Herzblut bei der Sache ist. Bier ist euer Leben, oder? Ganz weit vorne, die lässige Art den Laden zu führen und überhaupt der Laden an sich. Hobby zum Beruf gemacht.

Okay, die Preise, ja gut, die sind relativ feudal, Boxhagener Straße, was soll ich sagen, aber dafür ist das wahrscheinlich der Einzige in dieser Gegend, der Biere rund um die Welt anbietet. Wie viele Sorten sind das, Bierkönig? Fünfhundert? Da kann man sich in einem Leben nicht durchsaufen, oder? Hast du?

Ich bleibe dabei: Stark. Ganz stark, der Laden. Was besonderes. Gerne bis bald mal wieder auf ein Bierchen vom anderen Ende der Welt. Oder umme Ecke vom Kiez.



---
Getränkefeinkost Berlin
Boxhagener Str. 24
Friedrichshain
http://www.getraenkefeinkost.de/

Danke, Matthias, für das Haderzitat. Ich habe es mit großer Freude geklaut.

Donnerstag, 16. April 2015

Herzlichen Glückwunsch, es ist ein Honk (30)



Berlin-Lichtenberg. Ein Backwarenladen.


Legen Sie es zurück bitte.

Was?

Legen Sie es zurück. Ich möchte es nicht mehr.

Aber ich habe es schon angefasst.

Das ist nicht mein Problem. Ich möchte es nicht mehr.

Wieso das denn jetzt?

Sage ich Ihnen gerne: Ich bin wundgemeckert. Seit Sie versuchen, diese überdimensionale Mettstulle in Ihre viel zu kleine Bäckertüte zu packen, meckern Sie in einem fort. Ich habe keine Lust mehr, mir das anzuhören. Ich muss den ganzen Tag meckernde Menschen ertragen, am Telefon, im Büro, in der S-Bahn, im Internet, da ist so ein Bäcker wie Ihrer einer der seltenen Orte geworden, an denen normalerweise niemand meckert, zumindest wenn er unter 60 ist und sich nicht altersbedingt vordrängelt.

Das ging doch gar nicht gegen Sie.

Natürlich nicht, ich kann ja auch überhaupt nichts für Ihre viel zu kleinen Bäckertüten oder - wenn Sie so wollen - für Ihre viel zu großen Mettstullen. Ich habe nur keinen Bock mehr, mir Ihr Gemecker anzuhören. Gehen Sie ins Internet, machen Sie ein Blog auf oder dauerbeschweren Sie sich bei Twitter über Ihr Leben, Ihre Berufswahl, Männer oder Ihre blöde Bäckertüten, die - das ist wirklich augenfällig - tatsächlich viel zu klein für die Mettstullen sind, die Sie anbieten.

Normalerweise werden Mettstullen ja auch hier am Tisch gegessen und nicht eingepackt.

Deswegen ja. Sie haben Recht. Lassen Sie es liegen. Mettstullen zum Mitnehmen sind das Allerletzte. Ich sehe es ein. Küsschen. Ich muss weg.

Arschloch.

Aber gerne. Honk.

Mittwoch, 15. April 2015

Lass mal netzwerken - Links vom 15. April 2015




Links. Read this:


WeddingweiserMenschen helfen Menschen: Lebensmittel für Bedürftige
Wissen Sie nicht wohin mit Ihrem Geld? Hier ist ein senatsungefördertes Projekt für die, die mit großer Wahrscheinlichkeit weniger haben als Sie. Falls Ihnen die durch alle Medien gepushte Tafel aufgrund des Fames zu suspekt geworden ist, ist das vielleicht eine Alternative.

robins urban life storiesEure Awareness kotzt mich an!
Depressionen und der Umgang der Gesellschaft damit. Ein wichtiger Text, mit Nachtrag:

robins urban life storiesAwareness. Und jetzt?

boschblog.deIch komm rum: Dortmund
Ich bin kurz davor, nie wieder zu behaupten, dass Berlin hässlich ist. Kurz davor.

Frau HaessyLookiswhat?
Ah, ein Shitstorm. Dass es sowas noch gibt. Den hier haben dieses Mal Veganer losgetreten. Waren wahrscheinlich an der Reihe beim Hölzchenziehen. Hot Shit today: Lookismus. Niemand darf mehr hässlich sein. Auch wenn er hässlich ist.

Bloggen für den Weltfrieden die, die ich magDie große Show der Unterhaltung
Ein Rant! Endlich mal wieder ein guter Rant in einer Blogosphäre, in der jeder sein Gefrotzel über ein hartes Bäckerbrötchen oder die zickige Erzieherin in der Kita einen Rant nennt, so dass auch dieses Modewort schon wieder so vollkommen entwertet ist, dass ich es eigentlich aus meinem Wortschatz gestrichen habe, bis heute, bis Nilz, bis hier, ein Rant der alten Schule. Es geht ums Fernseh'n. Wat war dat nochma? (via Denkfabrikblog, der besten Link- und Videoschleuder, die ich kenne)

KiezschreiberEin Teufel namens Liebe
Ein Freund von mir, ein mittlerer Angestelltenknecht, hat sich mal in eine Neuköllner Professionelle verliebt. Er wollte sie "da raus" holen. Sie wollte nicht. Es wurde sehr teuer bis er das begriff. Fortsetzung folgt:

KiezschreiberNews-Update Thai-Story
Echte Freunde machen sowas. Müssen sowas machen.

Christian Buggischs BlogHamburger Hinweise
Ich fand das Gedicht ganz nett. Hatte so einen schönen Flashbackeffekt. Deutschunterricht. 7. Klasse. Bei Frau Geyger-Greulich. Die so hässlich war, dass ihre Wanderschuhe als Verschönerung der Gesamterscheinung herhalten mussten. Übrigens, Christian, in Berlin begrüßen wir unsere U-Bahn-Fahrgäste so.

1337coreRage Quit!
Rage Quit ist toll. Beziehungen zu nervenden Partnern beenden sich damit besonders geschmeidig und vor allem nachhaltig. Ich mag verbrannte Erde, sie hat so was endgültiges und die Stille danach ist so schön. Nur beim Job sollte man aufpassen und nur machen, wenn man einen neuen (besseren) hat oder genug Geld zum Auswandern veruntreut hat.

WeddingweiserBereit für den schärfsten Imbiss der Stadt?
Autsch. Ich weine jetzt schon.

erzaehlmirnixAlternativ-Medizin
Großartig.

Und noch einen hinterher:

erzaehlmirnix90% Idioten
lol

gnaddrig ad libitumUnd dann war da noch... (5)
Arbeiterdenkmal. noch ein lol

Und einfach und gut ist immer gut:

Frau Jot kochtPasta mit Schmortomaten und Ricotta


Dienstag, 14. April 2015

Passau: Bye Bayern




Ein Trip ins tiefschwarze Bayern und ich habe immer noch keinen warmen Leberkäse gegessen. In Berlin schmeckt der ja nicht. In Berlin schmeckt sowieso kaum etwas, das sie dort nachmachen oder mit Lastern über die Autobahn dorthin fahren. Das ganze Touristenkulissen-Hofbräuhaus am Alex ist irgendwie fad, die Austern, die Sie in Berlin kaufen können, sind schon lange tot und dieses Brot, das sie aus München nach Berlin karren, um es für Puffpreise an schnöselige Berlin-Mitte-Muttis zu verkaufen, hat eine CO2-Bilanz wie meine Braeburn-Äpfel aus Neuseeland, die aus irgendeinem Grund besser schmecken als die mehligen Braeburn-Matschdinger von umme Ecke aus Brandenburg. Und auch Leberkäse ist etwas, das nur in der Landschaft schmeckt, die ihn erfunden hat und nicht an der Fleischereitheke am Eingang von real.

Passau. Fußgängerzone. Zwischen Bodyshop und Pimkie/H&M/Mirdochegal ist eine kleine Butze, die den Leberkäse in der Semmel für 1,40 auf den Markt wirft. Dick. Warm. Mit Senf. Gutes Brötchen. Knaller im Quadrat. Das Zeug kann tatsächlich schmecken.

Nur, der Typ hinter der stickigen Theke, ich weiß ja, heutzutage fasst jeder erst das Essen, dann das Wechselgeld, dann wieder das Essen, dann wieder das Wechselgeld, dann wieder das Essen, ... , lalala, mit seinen Wurstgriffeln an, ohne sich um die Sinnlosigkeit des Vorgangs zu scheren, vor allem wenn er dazu Einweghandschuhe trägt, die er bei dem System auch weglassen könnte, weil es keinen Unterschied macht, sondern nur Augenwischerei ist. Easy, ich hab mich schon dran gewöhnt, Wechselgeld, Brötchen, und wieder Wechselgeld, egal, Keime härten ab (nur nicht bei Masern liebe Bioeumel), das ist okay, aber hey, auf ein Wort, bayerischer Leberkäsemann, dass du dir, nachdem du mich abkassiert hast, den Schweiß von deiner Stirn wischt, was die für ihr Alter viel zu stark geschminkte Schnepfe hinter mir nicht sehen konnte, deren Brötchen du danach mit deiner Schweißhand mit lecker fettigem Leberkäse belegst, das ist schon hart. Alter.

Alteeer.

Das hast du bei meinem Leberkäse nicht gemacht ... neeeeeein ... ganz sicher nicht. Haha, würde ich rausgeschmecken, ganz sicher. Oder? Ja. Nee. Doch. Egal.

Pfüati Bayern, ich fahr' jetzt nach Hause in mein Dreckloch von Hauptstadt, bisschen Zeug auf den Boden werfen, ein wenig auf den Gehweg spucken, einen kiffen, meine Nachbarn hassen. War mir eine Ehre.


---
Akku? Löör. Hier ein Dreiflüsseeck. Statt Leberkäse. Auch schön.

---
Piffi ist eh doof.

Montag, 13. April 2015

Passau: Doch glop




Passau. Die Sauberkeit der Stadt tut inzwischen fast in den Augen weh. Ich bin schon so wundgescheuert, dass ich mich fast nicht getraut hätte, meinen alten Kaugummi an den Türgriff eines Mercedes zu kleben. Wo soll das hinführen? Erst kein Kaugummi an den Mercedes, dann keine Jacky Cola-Dose in den Vorgarten und zuletzt spüle ich wahrscheinlich sogar Joghurtbecher aus. Ich degeneriere.

Dafür bin ich immer noch auf der Suche nach vernünftigen Pralinen in der vorgeblichen Pralinenstadt. Wer kommt eigentlich auf so tolle Empfehlungen wie Passauer Pralinen? Natürlich die Teeküche des Borgwürfels. Da bekommen Sie noch mehr Nutzloses dieser Art: Kuchenrezepte, Vorschläge für schlumpfige Cafés, überflüssige Statements zur politischen Großwetterlage und allen voran Urlaubsempfehlungen, wenn Sie wieder gefangen in der Smalltalkhölle Ihr Urlaubsziel gedroppt haben. Denn irgendwer weiß immer irgendwas. Das beste Fischbrötchen von Heringsdorf. Der beste Mettigel von Sachsen-Anhalt. Kasseler Karottenkuchen. Eckernförder Eierschecke. Quakenbrücker Quarkkeulchen. Passauer Pralinen. So in etwa. Da hat einer wahrscheinlich zufällig irgendwann mal irgendwelche Pralinen in irgendeiner Passauer Butze gekauft, fand die so gut wie ich Alliterationen und weil der Mensch zur Generalisierung neigt, ist Passau jetzt Pralinenstadt und wer diese Pralinen nicht kennt, hat die Welt nicht gesehen. Mopf Mopf. Where is my brain?

Doch es gibt tatsächlich einen Erfolg zu melden. Nach dem eher enttäuschenden Besuch in der Pralinenmanufaktiererei am Passauer Prunkdom finde ich zufällig in einer etwas abseitigen Gasse Richtung Donau einen Pralinenladen, der eine Filiale in Brüssel hat und eine in … na? … klar, Passau (ausgerechnet). Nicht New York. Nicht Tokio. Auch nicht London oder Paris und schon gar nicht Berlin oder Moskau. Nein. Passau. Warum weiß kein Mensch, aber ich finde das gut.

Der Feinschmecker (das Magazin für snobistische Fresssäcke, die schon lange keinen Sex mehr haben) ist von dem Laden so begeistert, dass er ihn in seinen Guide (hier sagt man wohl Gourmetführer) aufgenommen hat, wovon ein Plakat in Form einer Art Urkunde zeugt, was mich gelockt hat, weil mich protzige Urkunden immer locken. Denn ich glaub' ja alles. Urkunden! Ja! Mehr davon! Überschüttet den Laden damit. Schmeißt ein paar Orden und Medaillen hinterher, das Schokoladenzeug ist gut, richtig gut und viel günstiger als oben am Dom. Belgier. Natürlich ist es ein Belgier. Hier in Passau. Sie können's halt. Is so. War so. Wird so sein.


---
Falls Sie mal in die unwahrscheinliche Situation kommen, in Passau gute Pralinen suchen zu müssen, eat this:

Flämisches Schokoladenhaus
Grabengasse 17
94032 Passau

---
Kein Pralinenfoto weil Akku immer noch leer. Stattdessen Altstadt, Marktplatz, irgendsowas. Besser als nix.

---
Piffi hat nie "Doch glop" gesagt.

---
Natürlich heißt der Scheißköter Piffi. Pif ist der Vater, der Kumpel von Herkules, dem Kater, erwachsen mithin, während Piffi ein sprachgehandicapter Welpe ist und von Brutus der Bulldogge gemobbt wird. Nutzloses Wissen ahoi. Glop glop.


Passau: Nix glop




Passau. Wie immer, wenn ich die Hauptstadt verlasse, muss ich mir einige eingefahrene Verhaltensweisen abgewöhnen, da die Gefahr besteht, dass ich sonst ohne Umwege in einer Klapse lande. Oder zumindest unter den Augen giggelnder Rentner Sozialstunden im örtlichen Kurpark ableisten muss.

Zum Beispiel, wenn mir einer entgegen kommt, der nach Ärger aussieht. Typen, die nach Ärger aussehen, sind meistens dick und haben eine Glatze. Oder ein fieses Idiotengesicht und tragen Basecap. Seitlich. Oder sind dünn mit langen Haaren. Und Chucks. Weiß. Oder sehen sonstwie aus.

In Hellersdorf, ihrem natürlichen Habitat, ist der Umgang mit potenziellen Stressern einfach: Sehen Sie einfach mindestens so gewaltbereit aus wie der Jugendknastkandidat, der Ihnen entgegen kommt. Schultern raus, Augenbrauen plus Mundwinkel runter, Beine breit als hätten Sie sich vorhin beim Wichsen am Waschbecken versehentlich Finalgon statt Gleitgel auf die Eichel geschmiert, und ganz wichtig: Etwa drei Meter vor dem potenziellen Schulterrempler einen üblen dicken Klumpen Grünes auf den Boden rotzen. Sehen Sie einfach nach Ärger aus. Ganz einfach wie jemand, den man besser nicht anrempelt. Das klappt prima in Gegenden, in denen kleine Geister, die schlechten Sex mit dummen Menschen haben, die sich schwere grün-glitzernde Plastikfingernägel aufkleben lassen, leichte Opfer zur Kompensation ihres charakterlichen Elends suchen. Es ist dabei völlig egal wie Sie gebaut sind, wenn Sie nur gefährlich kucken. Denn selbst wenn Sie klein, dürr und hässlich sind, weiß immer noch keiner was Sie so drauf haben. Sie könnten ja Taekwondo können. Oder Jiu-Jitsu. Hong Kong Pfui. Oder irgendeinen fiesen Ninjascheiß wie diese geschmeidigen Iraker in Call of Duty, die an der Decke kleben und Sie im Sprung meucheln (Arschlöcher...).

Hier in Passau sucht niemand Ärger, es herrscht paradiesischer käseglockengleicher Einparteienfrieden, hier würden sie mir wahrscheinlich einen Eimer mit Schrubber in die Hand drücken, womit ich meine sinnlos zutage geförderte Spucke vom makellosen Asphalt wischen kann. Oder Sozialstunden aufbrummen. Im Kurpark, giggelnde Rentner, Sie wissen ja.

Was hier auch nicht geht ist dieses üble Berlin-Tourette, wenn Sie im öffentlichen Raum jemand, den Sie nicht kennen, unvermittelt berührt: "Verpissdichwichser." Oder rhythmischer: "Fafatzdafotze." In Berlin ist das wichtig, um den persönlichen Claim abzustecken, der die nötige Distanz herstellt, die in Berlin niemand wahren will. Denn eines lernen Sie schnell: Wenn Sie in Berlin jemand Fremdes berührt, ist das immer schlecht. Im günstigsten Fall will er nur Geld. Wenn es dumm läuft, will er Stress. Oder manchmal auch nur das Smartphone, das leichtfertig aus der Hosentasche hängt. Aber das merken Sie dann erst später.

Hier in Passau werde ich angetippt und freundlich lächelnd wird mir das Mützchen vom Kind in die Hand gedrückt, das mir zehn Meter vorher aus der Jackentasche gefallen ist. "Wie? Wat? Fafatz.... äh ... danke." War das knapp.

Und überhaupt: Wenn Sie in Berlin einen Einheimischen fragen, wo denn dieses Brandenburger Tor ist, von dem alle reden, schickt der Sie gerne mutwillig ganz woanders hin - in die Plattenbauwüste nach Friedrichsfelde, ins Freiluft-Altersheim Tegel oder gleich nach Gatow raus. Zumindest gilt das, wenn Sie auf mich treffen.

In Passau läuft das so: Wenn Sie auch nur ein paar Sekunden länger als sozial akzeptiert in der Gegend herumstehen, Maulaffen feilbieten und so aussehen als könnten Sie Hilfe benötigen, kommt garantiert irgendein Eingeborener angerannt, um Ihnen den Weg zur nächsten protzigen Religionsstätte zu erklären oder Ihnen ein besonders gutes, aber doch preiswertes Restaurant zu empfehlen. Ich geh' am Stock. Hardcore, Alter. Das ist nix für mich. Ich bin innerhalb von wenigen Stunden am psychischen Limit. Diese dauerhafte Freundlichkeit ohne Anflug von Boshaftigkeit oder gar irgendwelcher Hintergedanken ist für Berliner so ungewohnt wie unerträglich. Zwei Tage, länger geht nicht, dann muss ich weg hier, sonst werde ich auch noch so.

Passau. Was noch?

Ich bin ja so leichtgläubig manchmal. Irgendwer sagt, in Passau müsse man Pralinen kaufen und ich mache mich auf die Suche. Stimmt. Viele Pralinenläden hier in der Altstadt buhlen um Kundschaft. Aber gibt es inzwischen nicht überall Pralinen zu kaufen? Selbst in Brandenburg schießen die Confiserien nur so aus dem Boden. Ja, gut, okay, ich bin Tourist hier, das muss ich mitnehmen. Muss ich mal probieren. Hier am Dom. Dompralinen. Das Erstbeste. Sind auch teuer, müssen also gut sein.

Und was habe ich dabei mal wieder nicht beachtet? Genau, das Mantra "Kauf nicht im Umkreis von Sehenswürdigkeiten". Hier wie überall an Deutschlands Sehenswürdigkeiten gilt eines: Teuer müssen die Sachen sein, sonst kauft die keiner und vor allem ich nicht, weil ich nie lerne.

Und hier am Dom sind sie teuer, richtig teuer. Sie sind nicht schlecht, aber mal ehrlich: Belgien kann das besser. Und natürlich günstiger.

Was noch schlimmer ist: Von irgendwas um die 50 Pralinensorten sind ganze vier ohne Alkohol, was mich schwerst betrübt, weil ich bei Schokolade mit Schnaps immer an Günne Pfitzmanns "Edle Tropfen in Nuss" aus der vermuckerten Westberliner Kiezgruft am Bülowbogen denken muss, der die fiesen Teile mit einem entzückten Gesichtsausdruck geschlürft hat als würde er unter der schneeweißen Spitzendecke gerade zu Brigitte Mira Bardot onanieren. Nee, bloß keine Schokoladengeister, ich habe da ein Trauma, verursacht von knutschenden Großtanten mit schlechten Zähnen und Maulgünther, die das Zeug kistenweise gefressen haben, bah, nee, Alkohol gerne, viel und oft, aber bitte nicht im Zusammenhang mit Schokolade, Schoki mit Schnaps ist was für Butterfahrten, Seniorenheime, Heizdecken, Rheumasalbe, ich ess' das nicht bevor ich 80 bin und mich nachmittags mit der 20 Jahre jüngeren Oma Schakelyne aus Springpfuhl, die gerade ihren dritten Dschastin-Tairell unter die Erde gebracht hat, in der Residenz "Zum letzten Ausblick" unten im Sozialraum auf einen schwitzigen Schwof zu "Angel" von der Kelly Family treffe.

So.

Und die Pointe ist mir aus Versehen in die Donau den Inn die Ilz gefallen.



---
Wahrheit des Tages: Wenn Sie aus eigener Anschauung wissen, wer immer "Nix glop" gesagt hat, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie das Jahr 2060 nicht erleben werden. 

---
Kein passendes Foto weil Akku leer. Die Drecksdinger halten inzwischen nur noch ein paar Stunden. Hier der Dom stattdessen. Dom geht immer.

---
Es war Piffi, der Hund aus dem Yps-Heft.

---
Nein, das echte Yps-Heft von früher, nicht das ironische von heute, das sie dummen Hipstern verkaufen.