Sonntag, 24. Juli 2016

Trollolo




perahim mayer hat gesagt…

Du stehst wider Gott.
Nicht?
Du wirst untergehen.
Strikt und klar.
Mit allem Jetztzeitlichen.
Schluß.
Nicht?


5. Januar 2016 um 03:32


Kommentare im Internet sind die Eiterbeulen der Aufklärung des Menschen aus seiner selbst gewählten Unmündigkeit. Ihr Ruf kommt dem des Belebtschlammbeckens einer beliebigen kommunalen Kläranlage erfrischend nahe. Und immer weniger wollen den ganzen Gärschlamm hosten. Die großen Portale machen immer öfter ihre Kommentarspalten dicht, stellen auf strenge Moderation oder gleich auf Facebook um. Blogger stehen hierbei nicht nach und kicken die Kommentarleiste gleich ganz aus dem Angebot oder zensieren wie türkische Nachwuchsdiktatoren. Gärschlamm. Müllecke. Das Internet ist ein Schreihals. Alle krakeelen. Aktivisten. Berufsbeleidigte. Gralshüter. Daueropfer. Politoffiziere. Gesinnungsschnüffler. Niemand kann diese Kakophonie mehr ernst nehmen. Diese Menschen, die im Internet die ideale Plattform für ihre Neurosen gefunden haben, die sie genüsslich vor Publikum ausbreiten, verschwinden in einer hysterischen Meute aus Brüllaffen, Parolenkotzern und Berufstrollen. Aus dieser Masse sind Nuancen gar nicht mehr feststellbar, es geht nur noch um Freund oder Feind. Du hast mich kritisiert? Du bist der Feind. Du bist ein Nazi. Fick dich. Ich blocke dich.

Mir schlafen die Füße ein.

Internetdiskussionen sind unfruchtbar. Das waren sie schon immer. Sie bringen nix und schon gar nicht irgendwen weiter. Niemand hat je irgendwen von irgendwas überzeugt. Ich sage ja nicht, dass Sie den Satz "Hey, das waren aber tolle Argumente, du hast Recht, so habe ich das noch gar nicht gesehen, ich glaube, ich muss mal meine Position überdenken" nicht irgendwo bei einem der wenigen reflektierten Menschen im Internet finden, doch Sie müssen gut suchen. Solche Typen sind selten.

Wundern Sie sich eigentlich auch, warum ich nie auf Ihre Kommentare antworte? Ich werde immer mal wieder gefragt, warum und ich kann sogar verstehen, dass das Fragen aufwirft. Nervt. Ärgert. Zumindest irritiert. Wollen Sie wissen warum ich nie antworte? Ich habe keine Lust. Ganz einfach. Abgesehen vom Zeitaufwand habe ich einfach keine Lust. Was ich anbiete ist folgendes: Ich schreibe irgendeinen Scheiß und gebe Ihnen die Gelegenheit, irgendeinen anderen Scheiß drunter zu schreiben, wenn Sie mögen. Zustimmung. Ablehnung. Zwiespalt. Hass. Verwünschungen. Hexenflüche. Veitstänze. Kein Problem. Dürfen Sie hier. Alles. Und ich überfliege es mindestens, denn ich muss es ja freischalten. Ich habe nur keine Lust, noch mehr zu den Dingen zu sagen als das, was schon da steht. Es bringt nie jemanden weiter. Diskussionen gleiten in kürzester Zeit ins Absurde ab. Schaukeln sich auf. Wechseln in hunderttausendfach beschifftes Fahrwasser. Die jedem zum Hals raushängenden Rituale werden vorgetanzt. Niemand adaptiert irgendwas. Schon gar nicht die eigene Meinung. Und dann diese Fransen. Irgendeiner ohne Ahnung, ein Nazi oder ein einsamer Opa mit Internetanschluss kackt eine Provo dazwischen. Ein anderer pullt einen Godwin. Der Nächste postet ein passendes YouTube-Video. Niemand versteht niemanden. Und nach ein paar Tagen rollt die nächste Sau über die Dorfstraße und die alte Sache plätschert nur noch dahin und trocknet schließlich aus. Ohne irgendeinen Effekt auf irgendwas. Diskussionen ist was für Leute mit zu viel Zeit. Und ich habe die nicht. Vollzeitborgdrohnentum. Überstunden. Kind. Memory. Die Raupe Nimmersatt. Legoland. Der Besuch von Sternerestaurants. Die Notwendigkeit, mit den besten Freunden der Welt in den verbliebenen Zeitfenstern zur Betäubung eines entzündeten Hirns Alkohol und Drogen in großen Mengen zu vernichten. Ich habe keine Zeit.

Wenn Sie eine Reichweite über Ihre Mutter, ein paar aus Höflichkeit mitlesende Kumpels und einen vereinsamten Alkoholiker aus Chisibubikaio, der seine Freizeit mit Bloglesen verbringt, hinaus erreicht haben, werden Diskussionen komplett sinnlos. Ständig heult jemand, egal was Sie schreiben. Den einen schreiben Sie zu rechts, den anderen zu links, die einen heulen, Sie würden sich dem Feminismus anbiedern, die anderen krakeeln, dass Sie frauenfeindlich sind und auf einen Baum gehören. Zu den anderen Affen. Den einen sind Sie zu angepasst geworden, den anderen zu primitiv, den einen zu politisch, den anderen zu unpolitisch. Und dann sind da noch die Trolle und Stalker mit ihrem üblichen Gewäsch. Drohungen. Verwünschungen. Gewetzte Messer.

Das Internet ist ein Ort geworden, an dem Ihnen ständig jemand sagt, was Sie dürfen und was Sie nicht dürfen. Sagt man nicht. Tut man nicht. Darf man nicht. Was in der realen Welt undenkbar wäre, feiert hier im Netz seinen Durchbruch: Ein bizarrer Reigen an Klugscheißern, der andere gerne gängelt, will festlegen was geht und was nicht. Doch mal ehrlich: Was soll denn hier noch kommen nach den knapp vier Jahren? Ich habe doch alle durch. Hier sind alle Freaks des Internets schon mal vorbeigekommen. Christliche Fundamentalisten. Esoteriker. Homöopathiejünger. Feministinnen. Betonkommunisten. Baumschützer. Grünwähler. Gentrifizierer. Prenzlauer Berg-Patrioten. Und natürlich Veganer. Die kommen regelmäßig vorbei, um mich zu informieren, dass Fleischkonsum tödlich endet und außerdem Mord ist.

Und alle sind so großartig empört in ihrer heiligen Mission.

Die mich einen Scheiß interessiert. Es ist nur das Internet. Wen der Auftritt der versammelten Verstrahlten aus der Bahn wirft, der ist im Internet falsch, der gehört auf einen Ponyhof. Oder in den Safe Space irgendeiner mimosenzüchtenden Universität.

Ich erwarte deswegen Verständnis dafür, dass ich nicht mit dem Internet diskutiere. Nehmen Sie das nicht persönlich. Sie sind bestimmt ein wunderbarer Mensch und Ihr Statement wäre es unter normalen Umständen wert, gehört und besprochen zu werden. Doch nicht hier. Und nicht von mir. Ich bin wundgejault. Ich bin durch. Müde. Es ergibt für mich keinen Sinn. Der Mehrwert ist nicht da. Doch bitte, auf jeden Fall: Schreiben Sie. Schreiben Sie gerne viel. Niemand schränkt Sie hier in Ihrer Meinungsäußerung ein. Hauen Sie in die Tasten. Finden Sie Positionen blöd. Faschistisch. Linksversifft. Einfach beknackt. Oder korrigieren Sie Dinge. Falsche Aussagen. Hanebüchene Fakten. Dumme Bewertungen. Rechtschreibfehler. Grammatik. Oder drehen Sie frei. Heulen Sie rum. Schimpfen Sie. Rasten Sie aus. Nennen Sie mich eine arschfickende Schwuchtel, auch das ist eine Meinung, die Sie hier äußern dürfen. Hurensohn. Fotze. Bastard. Meine fette Mutter soll sich selbst ficken (wobei das eher ein Verfahrensvorschlag als eine Meinung ist). Her damit. Kein Problem. Dürfen Sie hier schreiben, das geht klar. Sie dürfen sogar Nazi sein und ihren stinkenden Nazikram hier abladen, sie dürfen alle Ihre Dinge hier wohl doch mal sagen dürfen. Ich halte das aus und ich schalte das frei, sofern es nicht strafrechtlich auf mich zurückfallen kann und Sie nicht einer der beiden Trolle sind, die genau deshalb unter ihren Namen nebst Varianten in meinem persönlichen Killfile stecken. Deshalb nochmal: Freie Rede ist ein tolles Ding. Und im Moment ist es notwendiger sie zu verteidigen als noch vor zehn Jahren. Es ist was am Laufen. Da kommt was. Sie feuern nicht umsonst medial aus allen Rohren. Da wird der Boden beackert. Bereitet. Gedüngt. Sie wollen löschen. Streichen. Filtern. Blocken. Ich kann es schwer festmachen, doch ich habe diffuse Bauchschmerzen in Erwartung des Klimas, das sie schaffen wollen.

Äußern Sie also bitte alles was Ihnen wichtig ist. Vielleicht freue ich mich. Vielleicht nicht. Doch erwarten Sie keine Antwort. Ich habe keinen Bock.




Samstag, 23. Juli 2016

Lass mal netzwerken - Links vom 23. Juli 2016




Irre. Dat Ding hier wird interaktiv. Inzwischen bekomme ich Bilder von Freunden hirnrissiger Wortspiele zugeschickt. Großartig. Hier ein Friseur. Na klar. Wer sonst? Friseure sind immer ganz vorne mit bei, wenn es um vollkommen verstrahlte Wortspieldesaster aus der Idiotengruft für einfallslose Labeldesigner geht. Haarlekin. Haarakiri. Hairlich. Hairforce One. Blep Blep Hirn weg. Hier ein neuer Tiefpunkt: Hairriets. Cut. Style. Colors. And I wanna jump from Park Inn head forward on ugly Alexanderplatz. Danke Danny.

Noch was? Auf jeden Fall: Die Frage, ob Berlins Hipster noch blöder also sowieso schon aussehen können, ist vorläufig beantwortet. Jetzt ist die 80er-Ökoscheiße zurück. Sie tragen jetzt alle Birkenstocklatschen. Fassungslosigkeit in my hood. Demnächst Schönhauser Ecke Eberswalder: Schnuller ummen Hals. Back to the 90s. Call them Mr. Radar. Call them Mr. Wrong.

Irgendwas zu München? Ja. Das Übliche. Ich habe immer noch keine Angst. Sie?

Die Links. Read this:


die SchrottpresseBis das gewünschte Ergebnis eintrifft
Klug.

FeynsinnSuchtverbrecher
Die Nanny druckt eklige Fotos auf Packungen. Fast ein Grund anzufangen. Fast. Demnächst auf Ihrer Schweinefleischpackung: Der Verzehr schädigt Ihr Herz. Auf Ihrer Schokolade: Der Verzehr schädigt Ihren Body-Maß-Index. Auf Ihrem Whisky: Der Verzehr killt Ihre Leber. Ficken: Tripper schadet Ihren Spermatozoen bereits in der Schwangerschaft. Leben Sie gesund. Nanny hat Sie lieb.

Alles EvolutionWollen Frauen wirklich Gleichberechtigung?
Natürlich wollen sie das. Mit jedem Recht. Nicht einmal die Idioten von der AfD dürften das mehr in Frage stellen, ohne sich noch mehr als sowieso schon lächerlich zu machen.

Anders als mit den Rechten verhält es sich mit einigen gesellschaftlichen Verpflichtungen, die nach wie vor Männern obliegen. Jene werden zögerlich bis eher gar nicht adaptiert, vielmehr zieht sich ein guter Teil sich modern verkaufender Frauen zu gerne auf die überlieferte und auf jeden Fall sehr bequeme Prinzessinnenrolle zurück, die - und da lehne ich mich sicher nicht allzu weit aus dem Fenster - nicht aufgegeben werden dürfte, so lange es auch so geht. Cherrypicking? Na klar. Würden Sie es anders machen?

Noch ein paar unsortierte Gedanken dazu:

1. Was mich an Frauen oft (nicht immer, jetzt heulen Sie nicht bereits jetzt schon, da kommt noch was) gestört hat, war die teils ernüchternd unmaskierte Anspruchshaltung. Konkret: Geld. Es ging zu oft zu schnell um Geld. Gerne schon beim ersten Kontakt. Was machst du beruflich? Ui, da hast du wohl viel Verantwortung? Und? Was fährst du für ein Auto? Wohnung? Mitte? Nein? Die Antworten lassen in der Regel Rückschlüsse auf Ihr Einkommen zu und tragen gerne mal zur Entscheidungsfindung über den weiteren Verlauf der nächsten Monate bei. Sagen Sie bei so einer Gelegenheit doch mal Hausmeister. Und Fiat Punto. Wohnung? 17. Stock Springpfuhl. Datsche in Hönow. Aber hallo.

2. Natürlich zahlen Sie als Mann das Restaurant. Die Drinks. Kino. Theater. Sonstige Zerstreuung. Das wird in vielen Fällen nicht einmal mehr aus einer floskeligen Höflichkeitsroutine heraus in Frage gestellt, sondern vorausgesetzt. Frauen zahlen keine Dates, sondern stehen am Ende auf, um ihre Jacke zu holen. Was mit der Rechnung passiert, ist normalerweise nicht ihre Angelegenheit. Do you want to kiss on the first date? Dann zahl' die Rechnung, fool, sonst geht am ersten Abend ganz bestimmt gar nichts. Keine Ahnung woher die Regel stammt, doch sie ist eine eiserne und enorm weit verbreitet, auch wenn Ihnen jede Frau entrüstet versichern wird, dass es sich bei ihr nicht so verhält. Der Mann zahlt. Ich habe es nur einmal anders erlebt, aber das ist eine andere Geschichte.

3. Zahlen Sie von Anfang an die Dinge, dann zahlen Sie dauernd. Als mir das Muster auffiel, habe ich mir ein Limit gesetzt, nach dessen Erreichen ich mich aus dem, was am Anbahnen war, verpisste und kam mehrere Jahre nicht über eine Dauer von drei Monaten hinaus. Spätestens dann war das Limit ausgereizt und ich weg. Geld hier. Geld dort. Zahlemann und Urenkel. Kannste mal die Karte durchziehen? Ich bin gerade etwas knapp. Kriegste wieder (nö, kriegste nicht). Rekordhalterin ist eine, die mich bereits nach einer Woche um 300 Euro bat. Sie hatte Klamotten bestellt, das Konto war nicht gedeckt und das Monatsende noch weit hin. Ob ich gezahlt habe? Was hätten Sie gemacht? Nein? Ja? Ich bin mit ihr zu Lidl gefahren, habe den Kühlschrank und den Küchenschrank mit Fresszeug vollgemacht, um mir nicht nachsagen zu lassen, dass ich sie im Unglück sitzen lassen würde. Danach habe ich sie gebeten, nicht mehr anzurufen. Sie hat noch Wochen später entrüstet erzählt, dass ich sie im Unglück sitzen gelassen habe.

4. Wenn Ihnen Freunde sagen, dass Sie mit einem wöchentlichen Besuch im Puff inklusive Whirlpool, einer Flasche Veuve und kuscheln danach günstiger und nervenschonender fahren würden als in Ihrer aktuellen Beziehung, dann haben Sie ein Problem, das Sie lösen müssen. Warum ich es nicht so, sondern immer wieder geradezu schmerzhaft anders gemacht habe, kann ich Ihnen nicht sagen. Vermutlich dachte ich, dass das mit dem Geld abdrücken so sein muss. Bestandteil einer inneren Ordnung der Welt ist. Keine Ahnung. Natürlich weiß ich es heute besser. Ich weiß heute alles besser. Es muss gar nicht so sein wie es war.

5. Das alles spricht möglicherweise nicht für mich und schon gar nicht für die Sorte Frauen, die mich zu der Zeit für tauglich befand, mich anzuzapfen. Geblieben ist die irritierende Erfahrung, dass nicht wenige und das im Übrigen quer durch alle Schichten offensiv und wie selbstverständlich einen Versorger erwarten, der Geld gibt und Probleme löst. Leider will ich kein Versorger erwachsener Frauen sein. Es hat mich immer sehr abgestoßen. Ich bin in dieser Frage Vorzeigefeminist. Frauen mögen sich bitte selbst versorgen. Ich möchte nicht.

6. Im Osten finden Sie dieses Gebaren im Allgemeinen spürbar weniger als im Westen. Ich kann Ihnen nicht schlüssig erklären, warum das so ist. Restselbstbewusstsein stärkerer Frauen aus dem Erbe der DDR? Es klingt plausibel.

7. Es mag im Übrigen auch eine Altersfrage sein. Obwohl, es ist ziemlich sicher eine Altersfrage. Denn seit ich 30 bin, dreht sich das zunehmend um. Einige Frauen - kinderlose oder Alleinerziehende im Speziellen - muten jetzt plötzlich so verzweifelt an, dass sie vermutlich nicht einmal mehr Erwartungen finanzieller Art haben. Sie wirken mit Mitte 30 so sehr für jede Zugewandtheit dankbar wie viele Männer mit Mitte 20. Alles hat offenbar seine Zeit.

8. Fair ist das alles nicht. Nett auch nicht. Und schön erst recht nicht.

9. Offensiv parasitäres Gehabe ist bei Schwulen übrigens nicht ganz so ostentativ ausgeprägt und kommt wenn, dann eher in längeren Beziehungen zum Tragen: Älterer Sugardaddy hält jungen Toyboy aus, der dafür einmal täglich seinen Schwanz in den Mund nehmen muss, sonst gibt's nix. Klassiker.
Wenn Sie sich also Ihre Bisexualität endlich eingestanden haben und denken, dass dort bei den Schwulen der eitle Sonnenschein herrscht, dann ziehe ich Ihnen jetzt einen Zahn: Die schwule 'Community' (was für ein Kackwort, ich habe leider kein besseres) ist in weiten Teilen unerträglich oberflächlich. Optik Optik Ficken Ficken Ficken Body Body Body und noch mehr Body. Sehen Sie aus wie ein Brot, werden Sie in vielen Szenen erst geschnitten und dann ausgekotzt. Sie brauchen daher für eine schöne Zeit nicht unbedingt Geld, dafür Training Training und noch mehr Training. Oder einen guten Operateur. Sie suchen Tiefsinn? Echte Gefühle? Respekt? Dann sind Sie oft auch hier falsch. Sie wollen nur ficken und sehen halbwegs gut aus? Na dann los. Das geht gut. Irre gut. 

10. Hassen Sie mich jetzt gerne dafür. Egal aus welcher Warte. Bei Geschlechterthemen wird immer schnell gehasst. Das geht für mich klar. Das geht sowieso immer klar.

Die SchlandrätinHype in der Großstadt, Flaute auf dem Land - Pokémon Go ist offiziell in Deutschland erschienen
Pokewas?

muetzenfalterino.T.
Ich finde, es gibt zu viel gute Laune auf der Welt.

Schirrmis BlogDer Junge der über Dächer ging
Zu viel. Gute Laune.

hartelinieMeine erste Wurst: Darmgrippe und Rebirthing
Kacken.

grafikpolizeiDick.
Ficken.

Das FilterSnackable Massenvernichtungsfantasie
Independance Day. Astreiner Verriss. Okay, ich geh' nicht rein.

Schirrmis BlogGebratene Unfähigkeit
Da kocht er wieder. Bratkartoffeln. Sehr schön. Und 'Les den Eberling' steht da. Stimmt. Den sollte man lesen.

Bibos kleine FluchtenDeichlamm
Lecker.


Mittwoch, 20. Juli 2016

Spielplatzschreck




Dass das Kind und ich nicht schon auf allen Spielplätzen Prenzlauer Bergs Platzverbot haben, ist ein Wunder.

Es ist kitafreier Tag. Über Prenzlauer Berg scheint die Sonne. Quer über den Spielplatz verteilt liegen Förmchen, Schaufeln und Eimer herum. Kein Holz, sondern Plastik. Ziemlich verratzt, das Zeug, dafür gemeinfrei. Es sind sozialistische Gegenstände. Sie gehören jedem und jeder rockt sie runter. Sie liegen immer da. Manchmal räumt die einer in die nicht minder verratzte Kiste da am Baum, doch meistens liegt es herum. So dass ich damit spielen kann. Ich und mein Kind. Wir bauen Gräben. Löcher. Tunnel. Sogar Brücken.

Eines der verzogenen um uns herumwuselnden Stresskinder, so ein Nepomuk-Eusebius-Gesicht mit dem einzigartig prenzlauerbergesken Leiertonfall, den sie von ihren Müttern adaptiert haben, die ihn aufdrehen, wenn sie etwas wollen, das ein anderer nicht will, sieht das anders und nölt mich voll:

"Das Spielzeug gehört aber nicht euch."

"Doch. Gehört jedem. Liegt immer hier rum."

"Das ist egal! Das dürft ihr nicht nehmen!"

"Doch. Gehört jedem. Kommt aus der Kiste da hinten. Damit kannst du auch spielen."

"Nein! Ihr dürft damit nicht spielen!"

"Machen wir aber trotzdem."

"Das darfst du nicht!"

(Boar halt einfach die Fresse...)

"Doch, ich darf alles. Ich wohne hier."

"DAMIT DARFST DU NICHT SPIELEN!"

Da grätscht plötzlich mein Kind in die verfahrene Situation:

"Na dann musst du jetzt heulen."

Kurzes Zögern. Ungläubiger Blick. Dann Sirene.

Buuuuuuuuuuuuuuuuuwääääääääääääääh! Kompletter Zusammenbruch. Fliegeralarm. Atomraketen on the run. Eine Mutter fliegt herbei und kackt mich an, was hier los ist. Keine Ahnung. Sage ich. Ich habe nie irgendeine Ahnung. Von gar nix. Ich weiß nix. Was fragen Sie mich? Heult halt.

Wann ist eigentlich diese Sandkastenzeit vorbei und ich kann das Kind zum Späti auf ein Bier mitnehmen? Mit acht? Neun? Oder erst mit zehn?


Montag, 18. Juli 2016

So müsst ihr nicht aussehen




Müsst ihr nicht. Könnt ihr aber.

Huh?

Was?

Lookismus.

Darf der das?

Darf der das?

Darf? Der? Das?

Doch. Noch. Darf er das.

Doch seine Regierung droht schon.

Die Anfänge sind gemacht.

Die Pflöcke werden eingeschlagen.

Der Rahmen wird gesteckt.

Hate Speech kann viel sein.

Sie halten Ihren Minister für korrupt? Hate Speech. Sie finden, die Regierung sitzt im Darm der USA als allesüberwachender Datenkrakenwurmfortsatz? Hate Speech. Wolfgang Schäuble protegiert die Banken? Hate Speech. Ach? Berlins unfähiger Senat sollte geteert und gefedert aus der Stadt getragen werden? Auf einer Eisenbahnschiene? Na holla: Hate Speech. Der Anstandslosigkeit nicht genug: Frauen hinterher oder Cristiano Ronaldo auspfeifen? Hate Fucking Speech. Fucking geschrieben? Sowieso Sexismus. Also Hate Speech. Bitte? Sie finden Feminismus ordinär, hysterisch und unfair? Das ist ja wohl die Höhe: Hate Speech. Vorsicht Kiffer: Gepöbel gegen die Drogenfahndung? Auch Hate Speech. Und nein. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum.

Und das Recht setzen jetzt wir.

Also achten bald auch Sie darauf, was Sie so in die Tasten hauen.

Überlegen Sie sich das zwei Mal.

Bewegen Sie sich im Rahmen.

Benehmen Sie sich.

Act like your mum's here.

Die Werkzeuge, die wir in die Hände bekommen, werden wir verwenden.

Wir verwenden immer alle unsere Werkzeuge.

Und Satire darf gar nicht alles.

Gender is watching you.

I ain't afraid of no ghost.

Das ist doch gut.

Gut.

Sprechen Sie mir nach: Es ist gut.

Finden Sie doch auch.

Oder sind Sie etwa Nazisympathisant?




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credits

Freitag, 15. Juli 2016

Fäkalieneinlass




Ich hatte ursprünglich vor, heute eine kleine Spielplatzgeschichte zum Besten zu geben. Heiter. Flockig. Böse auch. Sie ist schon fertig. Dann fuhr einer mit dem Laster in die Leute. Insofern bleibt es bei einem kleinen Serviceteil für heute: Wenn Sie mal am Westkreuz sind und ein paar Fäkalien einlassen müssen, dann wissen Sie jetzt wo das geht. Look:



Könnte aber auch einfach so sein, dass die Stadt mit dem Schild einfach nur auf das Internet hinweisen wollte. Damit jeder weiß, wo es ist, wenn er mal Fäkalien zu verklappen hat. Nizza. Liveticker. Videoclips. Breaking News. Blink Blink. Rein mit der Gülle. Einer lief mit dem Smartphone durch die Leichen und drehte das brandheiße Ding ab. Und Fox News brachte es. Wie kamen die da ran? Floss Geld? Na bestimmt. Exklusiv. Hot. Hot. Bei sowas fließt immer Geld. So ein Goldstück lädt keiner for free bei YouTube hoch, sondern vertickert das erstmal an die, die das Ding noch in der Nacht raushauen wollen. Seit anderthalb Stunden ist er tot, der Abdullah. Mohamed. Scheißegal wie der heißt. Seine Opfer sind noch warm. Liegen auf dem Prachtboulevard rum. Und gehen trotzdem um die Welt. Raw! Raw! Footage! Click this! Liveleak hat bereits einen extra Channel gebaut. 2016 Nice attack. Graphic! Very graphic! By clicking on Continue you confirm that you are 18 years and over. Und unten die Buttons. Share die Scheiße. Auf Facebook. Google+. Instagram. Dailymotion. Digg.com. Digge-di-dig. Graben. Wühlen. Buddeln. Umgraben. Roden. To dig. Nichts passt besser. Grab. Leiche rein. Grab zu. Hauptsache schöne Fotos. Da! Rechts! Noch mehr zu klicken. Related: Some motherfucking snake beheaded by a motherfucking train. Eben noch Nizzas Leichen, jetzt motherfucking snake und der motherfucking train. Abgetrennte Beine. Abgetrennte Köpfe. Related. Hallo? Abgetrennt ist abgetrennt. 541 comments. Schon der vierte knallt das Ding raus: Kill all fucking muslims! Trump 2016! brüllt der elfte. Dazwischen die Rufe: Civil war! Burn the mosques now! Who's gonna save the US from crooked Hillary? Dann der erste Deutsche: Das hat natürlich gar nichts mit gar nichts zu tun. Unsere Kulturbereicherer in Aktion. Wo sind denn jetzt unsere Teddybärenwerfer? Und irgendeiner hat auch schon wieder ein Symbolbild gebastelt, das sie sich alle wieder bei Facebook ins Profil kleben können, um sich gegenseitig ihrer wohlfeilen Ablehnung des Ereignisses zu versichern. Und das 'Je suis'-Mantra ist auch wieder dabei. Not Nice.

15 Minuten.

Länger habe ich das Internet nicht an lassen wollen.

15 Minuten.

Dann habe ich es aus gemacht.

Ich möchte wieder mehr Bücher lesen.

Und schwimmen gehen. 

Montag dürfte die Flasche Laphroaig Lore geliefert werden. Die werde ich bereits abends aufmachen. Dazu wird Seasick Steve laufen. Auf dem Tisch ein paar staubige Malzkekse. Und ein Buch. Endlich mal ein gutes Buch. Hätte ich einen Kamin, würde ich ihn an machen. Fenster zu. Licht gedimmt. Internet aus.

Donnerstag, 14. Juli 2016

Hurra, der Idiot ist da




Na prima. Der Idiot läuft jetzt auch. Der Idiot aus dem Borgwürfel. Also nicht der Idiot wie alle anderen Idioten, sondern der Superidiot. Der schlimmste Mensch der Welt. Läuft jetzt auch. Meldet sich zu diesen lustigen Volksläufen an und läuft da mit.

Den Superidioten kennt jeder im ganzen Borgwürfel. Er ist ein Labersack. Ein Irrelevantes-Zeug-Erzähler. Er erzählt nur Scheiße. Und hört nicht auf bis man endlich unhöflich wird und einfach geht. Es ist jemand ohne Sensor. Ohne Antenne. Fühler. Keiner, den jemand gerne bei sich hat. Er kennt keine Grenzen. Jeder vermeidet den Kontakt so weit es möglich ist.

Ich habe keine Ahnung, wer den eingestellt hat und an dieser Position hält. Der muss irgendwen kennen oder von irgendeiner Leiche in irgendeinem Keller eines Entscheidungsträgers wissen. Der kann wahrscheinlich den ganzen Borgwürfel hochgehen lassen, wenn er auspackt. Zack. Wenn der loslegt, investieren die Heuschrecken lieber in Nordkorea oder Chisibubikaio als in unseren Saftladen. Worst Case: Der Superidiot packt aus - die Bank kündigt die Kredite - der Vorstand schmeißt hin und verpisst sich mit der Abfindung - der Insolvenzverwalter macht die Hütte zu - wir fliegen alle raus und niemand nimmt uns mehr, weil wir kontaminiert sind. So. Irgendwie so wird es ablaufen, wenn jemand den Superidioten versucht zu entfernen.

Mittags ist es besonders schlimm. Jeder versucht, ihm zu entgehen. Er kann Sie überall erwischen. Im Fahrstuhl. An der Ampel. In irgendeinem Mittagspausenlokal. Wer ihm aus Unvorsichtigkeit in der Mittagspause begegnet, der kann sich sein Essen aufs Klo hängen. Oder eher nicht, weil er es erst gar nicht bekommen wird, da eher die furchtbare Kantine schließt als dass der Superidiot jemanden, den er mal gegriffen hat, von der Angel lässt.

Er ist ein trauriger Wicht. Keine Frau. Kein Mann. Kein Leben, schon gar kein soziales. Er müffelt. Sein Bart sieht aus, als würden ihn seltene Insekten zum Brüten nutzen. Die Schuhe sind vollkommen zerrüttet und natürlich nicht geputzt, was dafür spricht, dass er wenige oder eher keine Außenkontakte hat (geputzte Schuhe, da legen sie Wert drauf bei uns, sonst auf recht wenig, aber auf die Schuhe). Die Zähne pissegelb. Und er stinkt aus dem Maul, das er nicht halten kann. Ich habe keine Ahnung, was der Typ macht, das so wertvoll für einen Laden wie unseren sein kann. Ich tippe auf IT. Ja, vermutlich IT. Er programmiert irgendwas. In einem Kabuff. Ohne Tageslicht. Unter lauter Chipstüten und Pizzakartons. Und verklebten Taschentüchern. Wah. So ein Coderghul aus der Gruft. IT. Er muss von unserer IT sein. Und vermutlich kann er mit einer Tastenkombination den ganzen Borgwürfel löschen. Er ist gut. Er muss gut sein. Sonst wäre so einer nicht hier.

Aus irgendeinem Grund liebt er diese Läufe einer seltsamen Krankenkasse im Tiergarten, bei denen ich nur mitlaufe, weil sie mir für die sieben Euro Anmeldegebühr ein richtig gutes Funktionsshirt schenken. Wahrscheinlich wohnt er da. Umme Ecke. In einem Sumpfloch. Oder im vergessenen Keller der Siegessäule. In einem alten Nazibunker, in dem er Fledermäuse ausstopft. Oder sich einen Pulli aus ihnen strickt. Ich kann nicht sagen, warum er gerade diesen Lauf so gerne läuft. Vermutlich wegen des Shirts. Ich bin ja auch hier.

Letztes Jahr hat er mich erwischt, gefangen, mit Spinnenfäden eingewickelt und zugeseiert:

"Herr Stevenson! Haha!"

(Was? Haha? Scheiße warum lacht der? Und woher kennt der meinen Namen? Coder. Sag' ich ja. Die wissen alles.)

"Hahahaha, ich lauf' hier auch."

(Grundgütiger, stinkt der aus dem Hals, da drinnen verwesen mindestens dreizehn zermörserte Ratten und die Sommerfliegen werden sich wohl gegenseitig überbieten, in seinem Maul ihre Eier legen zu dürfen.)

"Hahaha, wussten Sie schon, dass man hier ein Laufshirt geschenkt bekommt?"

(Weiß ich, du blödes Arschloch, ich hab' eins an.)

"Hahahaha, heute laufen wieder Kenianer mit."

(Warum lacht der immer so? Ich kann Leute, die dauernd lachen, nicht ausstehen. Und wenn sie aus dem Hals stinken wie der Köter vom Hausmeister aus dem Darm, dann hasse ich sie noch mehr.)

"Hahaha, ich habe heute eine Schäfchenwolke gesehen. Vielleicht regnet es ja noch. Hahaha."

(Ich zieh' mir gleich die Laufsocken aus und steck' sie ihm ins Maul. Das ist doch unerträglich. Die Blätter werden vorzeitig braun und die Tierwelt vom Tiergarten geht den Bach runter. Gleich kommt Peta und kettet sich an eine Eiche, weil der Typ alle Bäume samt Borkenkäfer mit seinem Atem vernichtet, verdammt.)

Sie lesen von mir keine Antwort, weil ich nichts gesagt habe. Weil ich nie etwas sage. Weil es das gar nicht braucht. Weil der labert und labert und labert und Sie sowieso nicht zu Wort kommen. Es gibt solche Leute. Die Stalinorgeln der Kommunikation. Die erledigen ihre Umwelt mit Worten. Zwei Mal Superidiot an einem Tag und ich beantrage eine Reha. Wegen psychischer Überforderung. So viel Information kann ich nicht verarbeiten.

Ich habe im Laufe der Zeit ein Superidiotenradar entwickelt. Ich spüre den Typen, wenn er mir nahe kommt. Ich merke im Fahrstuhl, wenn er irgendwo in einem anderen Stockwerk steht und einen Knopf gedrückt hat. Dann steige ich aus und nehme die Treppe. Ich rieche ihn um Ecken und verschwinde in irgendwelchen Büros irgendwelcher Vertriebsheinis, die sich wundern, dass ich sie besuche, wo ich das ganze Jahr über ihre Existenz ignoriere. Ich kenne seine Kantinenzeiten. Seine Zeit, zu der er morgens zur Arbeit kommt. Und die, zu der er geht. Ich kenne die S-Bahn, die er nimmt. Ich schaffe es oft, eine Begegnung zu verhindern und die Fähigkeit ist auch die beliebteste, die ich meinen Azubis weitergebe: Borgwürfel-Pacman. Weiche nicht nur dem Chef, weiche auch dem Superidioten aus. Verlieren heißt Krämpfe in Ohr und Seele.

Da.

Da ist er wieder.

Ich habe ich gespürt, bevor ich ihn gesehen habe.

Hier beim Lauf im Tiergarten.

Er scannt die Umgebung. Er weiß, dass ich hier bin. Ich bin immer hier. Weil im Tiergarten laufen toll ist, wenn man es schafft, nicht dabei erwischt zu werden. Und das Laufshirt hält ewig. Für sieben Euro.

Der Idiot scannt wirklich. Er dreht den Kopf nach links, er dreht ihn nach rechts. Ich bin mir sicher, dass er mich sucht. Er weiß, dass ich hier bin. Nimmt Witterung auf. Fast spüre ich seine enormen Nasenflügel beben. Noch 20 Minuten bis zum Start. Ich verschwinde in einem Busch, kämpfe mich durchs Gestrüpp. Dornenscheiße. Ihr Wichser, könnt ihr hier nicht Farn pflanzen? Ich sehe aus als würde ich im Gebüsch kacken gehen wollen, um diese entsetzlich stinkenden und immer viel zu wenigen Dixiklos zu vermeiden, vor denen sich kurz vor dem Start Postfilialenschlangen bilden, weil sie alle für die lausigen 6,9 Kilometer zu viel getrunken haben und die Babyblase piekt. Noch 15 Minuten. 10. Ich muss irgendwie in die vorderen Reihen des Starterfelds. Er ist übergewichtig und startet von hinten, ich werde ihm keine Chance geben. Und nach dem Lauf reiß' ich den Medaillenverteilern die Medaille aus den Soziologiestudentenpatschehändchen und dann ab in die U-Bahn. Scheiß auf die Dusche. Scheiß auf den Schweiß. Da drüben ist Hansaplatz, da kennen die das nicht anders. 5 Minuten. Gleich bin ich da. Gleich. Bin. Ich. Denke ich. Als ich eine Hand auf meiner Schulter spüre. Gänsehaut streichelt meine Arschbacken, mein Puller zieht sich zurück wie vor einem Kampf. Ich drehe mich viel zu langsam um und da spricht er mich an. "Sind das zwei oder drei Runden?" fragt mich einer, der nicht der Superidiot ist. Drei. Es sind drei. Schreie ich mit einer Erleichterung raus, die ihm Angst machen muss. Ist mir egal. Gleich ist der Start. Gleich bin ich aus der Nummer raus für dieses Jahr. Er kriegt mich nicht mehr. Ich habe es geschafft, ich habe es wieder einmal geschafft. Ich habe ihn vermieden. Ich fühle mich gut.

Montag stand er an meiner Bürotür.

"Hahaha... hahaha .... haha ... Sie waren doch beim Lauf im Tiergarten."



Dienstag, 12. Juli 2016

Herzlichen Glückwunsch, es ist ein Troll


Kürzlich sitze ich beim Kacken und überlege, über welche Bevölkerungsgruppe ich mich schon länger nicht abfällig geäußert habe. Da trifft es sich ganz gut, dass ganz oben auf dem Wäschehaufen, der es noch nicht in die Maschine geschafft hat, eines meiner Laufshirts gammelt.


Ich nenne es mein Troll-Laufshirt. Ich habe es vor sechs Jahren für einen Dumpingpreis bei Achim Achilles gekauft und es geht ums Verrecken nicht kaputt.

Dabei ist selbst mir die Provo inzwischen zu platt.

Sicher, Walker trollen ist nicht nur einfach, sondern auch gerechtfertigt. Wenn ich hoch zum Weißen See laufe, um dort ein paar Runden zu drehen, sehe ich sie schon von der Berliner Allee aus durch die Bäume leuchten: Verpackt in teures Plastik, neofarben, unbedingt neonfarben, sowieso quietschbunt, quietschbunte Laufschuhe, quietschbunte Hosen, quietschbunte Walkingstöcke, quietschbunte Stirnbänder ... wait, what? Stirnbänder, kein Witz, die 80er sind zurück, fehlen nur noch Schweißbänder am Armgelenk. Aerobicstutzen. Und Jane Fonda mit Gehhilfe.

Das Beste sind die Pulsmesser mit GPS-Tracker und ihre Gürtel, an denen gerne auch ein Powerriegel und irgendein - natürlich quietschbuntes - Isogetränk hängt. Es ist nicht nur ein optisches Desaster, es ist ein menschliches. Das Trinken sehe ich vielleicht noch ein (obwohl, nein), aber wozu muss jemand beim Walken fressen? Der Grundumsatz an verbrauchter Energie ist bei diesem Spaziergang, zu dem sie ihre nutzlosen Stöcke hinter sich herziehen, so gering, dass ihre Kohlenhydratspeicher nie leergehen können, auch wenn sie statt der halben ganze acht Stunden um den See walken würden.

Und dann diese Technik. Was wollen sie aufzeichnen? Die Geschwindigkeit? Wahrscheinlich postet der GPS-Tracker die Daten via Smartphone gleich bei Facebook: Melissa Kowalke. Weißer See. 1,03 km/h. 2 Runden, 1,8 km. Verbrannte Kalorien: 17. Die arme Timeline der bedauernswerten Follower. Spam as spam can. Wer liest den Scheiß? Niemand! Niemand liest den Scheiß. Sie klicken nur reflexhaft Likes, weil das inzwischen Teil des höflichen Rituals im Social Media-Umgang miteinander ist. Jemand macht was, egal was: Like. Was das jetzt genau war? Keine Ahnung. Klickelifick. Kickeliweg.

Technik? Habe ich kaum. Ich lasse maximal Musik an meinen Körper, aber auch nur weil ich das Zwitschern der Vögel nicht ertrage. Sonst braucht es zum Laufsport nicht viel: Ein paar vernünftige Schuhe nebst Laufsocken (nie wieder brennende Blasen auf der Fußsohle), ein vernünftiges Funktionsshirt (nie wieder brennende Brustwarzen) und vernünftige Laufunterwäsche (nie wieder brennener Wolf und zu Knoten gezwirbelte Haare zwischen den Schenkeln).

Mehr muss nicht, deshalb ist es wie es ist: Diese optische, technische und nicht zuletzt egozentrische Aufrüstung der Walker am Weißen See, die in keinem Verhältnis zum sportlichen Erfolg steht, schreit nach Trollen. Wenn auch nur, weil das Shirt auch nach sechs Jahren weder kaputt gehen noch einlaufen mag.

Es gibt 1.000 Gründe zu laufen, doch nur zwei fürs Walken:

1. Sie bereiten sich auf die ernsthafte Sportaufnahme vor (Laufen), die für den nassen Sack, den Sie Körper nennen, noch zu hart ist. Verstehe ich. Die ersten 300 Meter leichtes Jogging in Ihrem Leben sind die härtesten, danach wird's besser, langsam, aber doch. Ich weiß das. Bei mir war's nicht anders.

2. Gesundheitliche Gründe, selbstverständlich. Knie. Hüfte. Penisbruch. Verträgt sich nicht gut mit dem Aufschlag auf Berlins durchlöchertem Asphalt. Sehe ich ein. Ist ein Grund. Eigentlich der Grund.

Beides entbindet Sie jedoch nicht von der Pflicht, sich für Ihre Umwelt halbwegs augenschonend zu kleiden. Keine Neonpelle. Für Sie wie für mich reicht doch ein Jogginganzug. Blau. Schwarz wegen mir. Weiße Streifen. Und gut.

Darüber hinaus sparen Sie sich bitte das Geld für die ganze Technik. Niemand interessiert sich für Ihre Distanzen. Für meine auch nicht. Deswegen zeichne ich sie nicht auf und poste sie schon gar nicht. Und Sie sollten es auch nicht. Ich finde das Aufzeichnen und öffentliche Posten von Leistungen (die im Falle der Walker nicht einmal welche sind) sowieso eitel. Es ist überflüssig. Laufen Sie für sich, nicht für andere. Intrinsische Motivation ist die nachhaltigste.

Und noch eins, wenn Sie aus einem der beiden Gründe unbedingt walken müssen: Lassen Sie verdammt nochmal das Fressen sein. Niemand muss während des Sports fressen, es sei denn er macht einen Ultramarathon und da ergibt es bei guter Vorbereitung auch erst ab Kilometer 40 Sinn. Bei Walkern wirkt es lächerlich. Erstens schaffen Sie keine 40 Kilometer, zweitens verbrennen Sie auch dann kaum das, was es nötig macht, schon wieder zu fressen. Sie sind nur froh um den vorgeschobenen Grund für den leckeren Karamel-Powerriegel, mehr ist das doch nicht. Verarschen Sie mich nicht. 2 Runden um den See. 1,8 Kilometer. Huhu. Geile Leistung. Und jetzt einen Riegel. Hab' ja Sport gemacht. Für die Kalorienbilanz oder was immer Ihnen als Motivation für Ihr Tun vorschwebt, ist es hanebüchener Quatsch.

Das ganze Geseier ist natürlich zu lang für ein Shirt. Also muss es die billige Provo sein, mit der ich wie ein herkömmlicher Troll einen Reigen körperlicher Reaktionen bei denen fabriziere, die mir auf den Runden entgegen kommen. Böse Gesichter. Runtergezogene Augenbrauen. Merkelmundwinkel. Einer zeigt mir den Vogel. Purer Missmut. Ihr Ficker. Herzlichen Glückwunsch, heute ein Troll. Und mit Recht. Denn Stöcke hinter sich herziehen ist doch nun wirklich kein Sport.


Montag, 11. Juli 2016

Lass mal netzwerken - Links vom 11. Juli 2016


Wie schade, das RisOtto hat zu gemacht. Drauf gekommen bin ich vor kurzem erst über das zwischenzeitlich auch schon wieder eingestellte FAZ-Blog Berlin ABC (das mir übrigens fehlt). Die Dinge enden. Alle. Meine Güte.

Es ist ein Verlust. Der Laden war einer der letzten, bei dem Sie an der Ecke Friedrichstraße/Oranienstraße gut und auch günstig essen konnten. Gut geht in der Gegend schon, locker, sicherlich, dann aber auch gleich sackteuer. Günstig geht auch, doch dann ist es normalerweise scheiße und maximal für Sauftouristen gut, die eigentlich nach Friedrichshain wollten, aber irgendwie hier in diesem Puppentheater von Berlin-Mitte gelandet sind. Schade, echt. Hier gab's Risotto. Und nur Risotto. 6 bis 9 Euro und satt. Ich mag Risotto und hatte vor, noch was dazu zu schreiben, wieder mal was zu essen zu empfehlen, was ich inzwischen viel zu selten mache. Zu spät. Jetzt bleiben mir (und damit Ihnen) nur ein paar Bilder:








Die Links. Read this:


Der Lindwurm"Neger und Franzosen vergasen": Der unverkrampfte deutsche Party-Patriotismus
Wirklich toll, wie unverkrampft sie sind. Ich saß zum verkackten Halbfinale in einer Sportsbar: "Schiri du Sau! Die drecks Froschfresser können doch nix. Ja klar, Elfmeter, immer auf die Deutschen, immer auf die Deutschen, Faaaaaaaaaaaaauuuuuuuuuul! Fault doch nochmal, ihr Drecksaffen! Ihr Kaffer! Schwuler Schiri Faaaaaaaaaaaauuuuuuuuuul! Hauptsache gegen die Deutschen pfeifen, immer gegen die Deutschen!" Jaja, und morgen die ganze Welt. Da fand ich es dann doch ganz gut, dass sie samt ihres schrägen Anhangs nicht weiterkamen in diesem komischen Turnier. Sowieso: Es muss in Europa nicht immer Deutschland gewinnen. Das ist wie FC Bayern. Langweilig auf Dauer.

Schirrmis BlogDeutsche Handball Nationalmannschaft gescheitert
FAAAAAAAAAAAAUUUUUUUUUUUUUUUUUL!

So. Ein letztes Mal EM-Content:

Fliegende BretterRonny des Monats - EM-Special
Noch keiner weiß, dass das Ausscheiden der deutschen Mannschaft aus der EM ein fieser Schachzug von Putin war, um das Selbstvertrauen der Deutschen in ihre eigenen Fähigkeiten zu unterminieren. Der hat uns das einfach nicht gegönnt und den Schiri mit seinen ganzen Gasmillionen so lange geschmiert, bis der gegen uns gepfiffen hat. Elfmeter für Frankreich, hallo? Fünftausend Elfmeter für uns nicht gegeben, hallo? Halloooo?
Vorgestern hatte ich Rücken. Putin weiß ganz genau, wie er mir wehtun kann. Wir sollten die ganzen Sauereien unter einem Hashtag zusammenfassen, ich schlage #Putinwars vor.

Na gut. Einen noch:

ahoi polloi(1539)
Hey! Hey! Wer nicht hüpft der ist kein Deutscher! Hey! Hey!

So, jetzt reicht's nun wirklich mit dem Fußballspuk:

Fliegende BretterFordern und fördern
Sieben Jahre sind um. Sie trauen sich wieder. Die Banker wollen schon wieder Steuergeld haben. Ich bin für Ausräuchern. Teeren. Federn. Mit Arschtritten aus der Stadt jagen. Mistgabel anyone?

KiezschreiberUdo Blei
Aha, da ist sie endlich, die Rache für den Messibudendiss vom Januar. Wohl bekam sie. Der Kiezschreiber, dieser verkrachte Künstler, hat es gut. Der sitzt in der Pfälzer Provinz und verwohnt, verfrisst und versäuft sein Erbe (verhurt fehlt noch, wobei ich nicht glaube, dass er sich Huren kommen lässt, und wenn, dann zum Kuscheln). Unsergleichen, die nie was erben, verbringen ihre Tage damit, die Bedürfnisse anderer Menschen zu erfüllen. Oder damit, als Projektion zu dienen. Oder beides. Wie Udo Blei. Bitte sehr. Danke sehr. Auch hier noch einmal: Respekt, mein Lieber.

Frau RuthDefiniere Deutschland
Der deutsche Rentner im polnischen Supermarkt. Er kommentiert Dinge.

is lieb?Impfstoff
Gnihihi. Impfnazi.

Heute kein Rezept, nein, sondern zum Abschluss eine Erinnerung an den großen Wolfram Siebeck. Er wird fehlen. Wussten Sie, dass er auch Blogger war? Chris Kurbjuhn hat ihn mal getroffen:

Chris Kurbjuhns NetzeckeMit rohem Fisch zu Wolfram Siebeck - eine Erinnerung


Freitag, 8. Juli 2016

Im Baumarkt der ewigen Ödnis




Sie sehen den verwaisten Informationstresen eines Baumarkts. Mit mir davor.

Ein arg strapaziertes Klischee ist, dass Mitarbeiter von Baumärkten vor ihren Kunden wegrennen, in Gänge eilen, sich in Luft auflösen, zwischen Regelbrettern, hinter Arbeitsplatten, in Blumenkübeln, Badewannen, Wäschetruhen, keine Ahnung wo die immer hin verschwinden, wenn ich sie gerade noch im Augenwinkel sehe und sie, wenn ich hinschaue, einfach weg sind, wohin weiß niemand. Wahrscheinlich gibt es gar keine Baumarktmitarbeiter, es sind optische Illusionen, am Leben gehalten von Projektoren, die 3D-Bilder erzeugen, die sich im Nichts auflösen, sobald ein echter Mensch sich ihnen nähert. Fata Morganen. Morganas. Mir doch egal. Puff. Zisch. Hinfort.

Ganz so ist es nicht. Manchmal können Sie nämlich einen Menschen sehen, der einen echten Baumarktmitarbeiter gefangen hat. Wie er das schafft, weiß ich nicht, vielleicht mit Waffengewalt. Starken Magneten. Fesselungsgekünstel. Oder er erpresst ihn mit einer Leiche im Keller, hat ihn beim Klauen erwischt, beim Pimpern der Praktikantin oder beim Saufen in der Tiefgarage, was egal ist, denn er hat ihn in der Mangel, was Ihnen nicht hilft, denn irgendwann gehen beide gemeinsam einfach weg, irgendwohin in eine Regalreihe und Sie können hinterherdackeln wie ein Idiot, nur um irgendwann entweder abgehängt zu werden oder entnervt aufzugeben, wenn Sie 20 Minuten lang der Erörterung der mannigfaltigen Unterschiede zwischen verschiedenen Acrylsorten zugehört haben und Ihr Hirn ob der sinnlosen Informationen zu flüssigem Gummi mutiert.

Die Informationstresen in Baumärkten sind natürlich ein Sie verhöhnender Witz. Sie sind nie besetzt und wenn sie doch besetzt sind, dann steht jemand anderes davor, labert dem gefangenen und sichtbar widerwilligen Baumarktmitarbeiter eine Fischfrikadelle in die Ohrmuschel und verschwindet irgendwann mit ihm ... na? ... wohin? ... zwischen die Regalreihen. Oder in die Tiefgarage. In einen Blumenkübel. Turkmenistan. Chisibubikaio. Keine Ahnung.

Ich brauche heute eine Badewannenfaltwand. Davon hängen ganze acht Modelle verschraubt in einer Regalreihe herum, doch nirgendwo sind Kartons zum Mitnehmen zu sehen. Ich brauche also einen Mitarbeiter, der mir sagt, wo ich diese Kartons mit den Badewannenfaltwänden zum Mitnehmen finde. Scheiße. Ich brauche einen Baumarktmitarbeiter. Goldstaub. Seltene Erden. Yeti. Lebender Dodo. So eine Art deutscher Nationalspieler, der das Tor trifft. Eine lebende Rarität quasi.

Am Informationstresen steht ein alter Sack. Und spricht mit einem lebenden Dodo. Dem Baumarktmitarbeiter. So wie es aussieht dem einzigen heute, der es zur Arbeit geschafft hat. Oder der einzige Angestellte, dessen Hologramm gerade sichtbar ist.

Ich stelle mich hinter den alten Sack, um durch körperliche Präsenz zu deklarieren, dass ich auch eine Frage habe, die ich im Anschluss an den alten Sack stellen möchte.

Das Gespräch dauert ewig. Es geht um Lamellen. Ösen. Schlaufen. Dübel. Kleinkacke. Ewige Kleinkacke. Der alte Sack insistiert, der lebende Dodo erklärt gelangweilt. Es herrscht ein Dissens. Über die Dübelgröße. Der alte Sack hat offenbar eine Weltkriegssammlung an Dübeln zuhause. Hab' ich auch. Von Pfennigland gekauft. Für 99 Cent. Kann man ja immer mal brauchen, so 'ne Dübel. NEIN! Kann man nicht! Kann man verfickt nochmal nicht! Ich habe die scheiß Dübel nie angerührt, weil in jedem verdammten verschraubbaren Ding, das ich kaufe, passende Dübel dabei sind, meist so viele, dass ich noch die nächsten Jahre lang Bilder damit aufhängen kann. Dübelsammlungen von Pfennigland sind der letzte Scheiß. Braucht kein Mensch. Außer der alte Sack. Der will die aufbrauchen und dieses Vorhaben diskutiert der Penner mit dem letzten lebenden Dodo meines Baumarkts aus.

Und verschwindet dann.

Die gehen!

Zusammen.

Was machen die? Dübel ausprobieren? Im Übungsmauerwerk? Um zu schauen, welche Drecksdübel für die scheiß Lamellen die richtigen sind?

Na warte.

Ich warte.

Ich warte jetzt hier bis der lebende Dodo zurückkehrt in sein Nest, seinem verdammten Informationstresen. Und wenn es Stunden dauert. Ich bleibe jetzt hier einfach stehen. Der muss ja irgendwann wiederkommen, spätestens zum Abschließen.

Fünf Minuten.

Sechs.

Acht.

Ich mach' Musik an.

Pro-Pain.

Passt ja.

Nach zehn Minuten stellt sich ein Typ hinter mich.

Der denkt wohl, dass ich gerade bedient werde und der lebende Dodo gleich wiederkommt, so dass er ihn danach abfangen kann. Fool.

Nach einer Viertelstunde stehen bereits 3 Leute hinter mir. Es ist somit bereits formell eine Demonstration. Eine Demonstration ob der plakativen Ignoranz dieser selbstherrlichen Baumärkte, die hoffentlich bald dem Journalismus folgen und vom Internet in die verdiente Pleite getrieben werden.

Ich stehe jetzt schon 20 Minuten hier. Aus den drei Demoteilnehmern hinter mir sind inzwischen wieder zwei geworden. Einer gab auf. Der Lappen. Und da kommt er.

Er kommt.

Der lebende Dodo.

Und er schaut mich fragend an.

"Guten Tag, ich möchte eine Badewannenfaltwand kaufen. Ich sehe aber nur die Ausstellungsstücke. Wo sind denn die Kartons zum Mitnehmen, die üblicherweise unter den Ausstellungsstücken stehen?"

"Welche Nummer wollen Sie denn?"

Nicht auf die Tour, mein Freund, so wirst du mich nicht los. Ich gehe jetzt nicht zurück in die Regelreihe nach der Nummer schauen, so dass du flüchten kannst, denn ich war so klug, die Nummern von den Badewannenfaltwänden, die ich gut finde, mit dem Smartphone abzufotografieren. Ich bin sicherlich oft sehr blöd, aber manchmal auch nicht. Heute nicht, friss das, Dodo:

"ZX3235558."

Klick Klick. Mit wichtiger Miene glotzt er in seinen Monitor.

"Die hat einen Bestellvermerk."

"Was heißt Bestellvermerk?"

"Wir müssen die bestellen."

"Und wie lange dauert das?"

"14 Tage."

"Okay, ich nehme die ZK20057722."

Klick Klick.

"Die hat auch einen Bestellvermerk."

"Okay, auch 14 Tage?"

"Auch 14 Tage."

"Letzter Versuch: ZB8817733."

"Bestellvermerk."

"14 Tage?"

"14 Tage."

"Können wir über den Kauf eines Ausstellungsstücks reden?"

"Die sind verschraubt. Ich kann die nicht verkaufen."

"Können Sie mir verraten, warum ich nicht gleich im Internet bestelle und mir so eine Faltwand nach Hause liefern lasse?"

"Das weiß ich auch nicht."

Halten wir also fest: Es gibt in dieser Stadt einen Baumarkt, der eine Reihe von Dingen ausstellt, die er ohne Hürden nicht verkaufen kann, was Sie erst erfahren, wenn Sie unter Aufbietung von sehr viel Zeit einen lebenden Dodo gefangen haben, der Ihnen sagt, was alles nicht geht.

Gehen Sie noch in Baumärkte? Ja? Bringen Sie mir was mit? Ich mag nicht mehr. Ich bin müde.


Mittwoch, 6. Juli 2016

Die Drohkulisse von der Weißenseer Spitze




Huhu Bewohner an der Weißenseer Spitze. Freut Ihr euch schon?



Naaaaaaa?



Ein Biomarkt. Jetzt bald auch hier bei euch. 2014 fiel der Antonplatz, jetzt fallt ihr. Es geht los. Drüben ein paar Meter weiter bei den alten Ost-Assis aus den letzten paar DDR-Platten in Sichtweite vom prekären Ranznetto am Eschengraben macht demnächst der erste Feinkostladen auf. Mein Prenzlauer Berg expandiert. Bald seid Ihr wie wir. Ausgewählte Schokolädchen. Selbstgebrannte Kaffeebohnen. Zehnfuffzig das halbe Pfund. Und diese Büffelmozzarella. Biobüffel. Büffelbio. Na? Freut ihr euch schon? 20%. Locker. 20%. Für den Anfang. Auf eure Miete. Muss es euch doch wert sein. Das bisschen Sanierung schadet doch nicht. Boom Boom, er boomt, der Markt. Und der Biomarkt ist immer der erste Aufschlag. Dann kommt die Feinkost. Und der Laden mit der italienischen Kinderkleidung. Die Fahrradmanufakturen. Überhaupt die ganzen Manufakturen. Nicht zu vergessen das erste von vielen zukünftigen Cafés mit diesen rhabarberigen Hipsterlimonaden, die alle so komische Logos im Holzfällerhemdlook haben. Karottenkuchen. Sojamilch. Der vegane Schuhladen. Die Privatkita. Privatärzte. Privatphysio. Eigentumswohnungen, Eigentumswohnungen und noch mehr Eigentumswohnungen. Die Stadt wächst und es sind die Assis aus dem Prekariat und der abstürzenden Mittelschicht, die in immer weiteren Kreisen des Stadtzentrums überzählig sind. Die Penner ohne private Krankenversicherung. Glückwunsch Weißenseer Spitze. Ihr seid an der Reihe. Freut euch. Seid glücklich. Es werde Licht. Es werde aufgewertet. Auch euch. Gerade euch. 20%. Können Sie nicht zahlen? Doch, können Sie. Geht schon. Dann nochmal 10%. Nochmal 10. Und nochmal. Nein? Geht nicht mehr? Wir hätten da was in Hohen Neuendorf. Sanierte Platte. Als Austausch. Und 3.000 bar auf Kralle. Ihre Nachbarn sind schon weg. Haben eingeschlagen. Ja. Es ist Brandenburg. Das schon. Aber mit S-Bahn-Anschluss. Dann sind Sie auch ganz schnell wieder hier. Wenn Ihnen dann hier überhaupt noch was gefällt. Oder Sie das, was es hier zu kaufen gibt, überhaupt noch zahlen können. Wissen Sie was? Bleiben Sie besser weg. Sie wissen diese Kaffeebohnen sowieso nicht zu schätzen. Hohen Neuendorf hat auch einen Netto. Marken Discount. Klingt doch gut. Was wollen Sie denn noch?

Aber nein. Bitte nicht gleich wieder die Farbbeutel füllen. Der Biomarkt ist nicht das Problem. Auch nicht die Feinkostbutze. Und auch nicht der handgeröstete Kaffee, vorausgesetzt der Netto am Eschengraben kann bleiben, bei dem es das Pfund Magendurchbrecher für 4,99 gibt. Nein, der Biomarkt ist nicht das Problem, sondern nur das Symptom, das erste Zeichen, dass ein Kiez kippt. Dass es los geht. Anzieht. Hochwertiger wird. Und die Immobilientrusts sind dabei inzwischen so clever, für den Bauantrag immer auch ein paar Vorzeigemietwohnungen in ihre Bauprojekte mit einzuplanen, weil reine Eigentumsobjekte inzwischen einen ähnlich desaströsen Ruf haben wie Pub Crawls, Bierbikes, Journalisten oder die SPD. Vergesst es. Ihr kriegt sie nicht zu fassen, sie machen das trotzdem. Dann mietet eben der Schwippschwiegersohn die ausgewiesene Mietwohnung für eine Weile an und man verkauft danach an Selbstnutzer. Fuck Bauantrag. Für den interessiert sich in ein paar Jahren niemand mehr.

Nein. Der Biomarkt ist nicht das Problem, nicht der Verursacher der Lage, das ist der Senat, der den Wohnungsmarkt zuerst vorsätzlich wundgeschossen und das kippende Sozialgefüge danach über Jahre ignoriert hat, bis inzwischen kaum noch etwas zu steuern ist. Auch die billige Wahlkampfkosmetik in Form von untauglichen Millieuschutzmaßnahmen, mit denen jetzt im Nachinein die gegängelt werden, die als neue Monokultur einer gelangweilten und satten Erbengeneration schon da und nicht mehr wegzukriegen sind, und sinnlosen Verboten von Ferienwohnungen, zweiten Bädern und Fußbodenheizungen, die wie bei allen Verboten mit Ausnahme der Parkraumbewirtschaftung in Berlin sowieso niemand kontrolliert, können sie sich schenken. Bringt nix mehr. Denn die Stadt kippt von innen nach außen und die Profteure der Situation schmieren die Verursacher so wie sie es immer getan haben, so dass sich daran auch nichts ändern wird.

Schnell geht es inzwischen. Biomarkt. Feinkost. Kaffeerösterei. Rhabarberschorle. Energetische Sanierung. Wohnen auch Sie noch zur Miete? Wie tragisch.


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Sagen Sie, wählen Sie noch? Ich hätte da einen Vorschlag.