Mittwoch, 20. März 2013

Domian weint


Jürgen Domian weint auf Facebook:


Ich kann kein Mitleid haben. Wer bei Facebook veröffentlicht, dem muss klar sein, dass Facebook dort nicht nur das Hausrecht hat, sondern es auch nutzt und das nicht zu knapp. Wer da ganz vorne mitspielt und sich produziert, der muss sich eben den dort geltenden Regeln beugen und die bedeuten, dass Dinge verschwinden können. Einfach so. Klick und weg.

Auch wenn das Domian jetzt offenbar überrascht: Die Inhalte auf seinem Facebookprofil gehören ihm gar nicht, nicht mal sein Profilbild mit der abgekupferten Denkerpose, dessen Rechte er mit dem Hochladen abgetreten hat. Ihm gehört nichts. Facebook gehört alles. So ist das Spiel. Take it or leave it.

Or whine.

Natürlich löscht Facebook. Völlig intransparent. Wie es will. Absolut willkürlich. Meistens sogar automatisiert. Oft reicht eine bestimmte Menge an Petzermeldungen von denjenigen, die mit einem Inhalt nicht übereinstimmen, und der Content ist im Datenorkus. Und weg. Oh wie schade.

Kommt schon, so naiv kann doch keiner sein. Facebook ist ein Konzern und Zuckerberg eine Charaktermaske ohne Moralkompass - jeder weiß das und doch sind alle überrascht, wenn es dann plötzlich passiert und man vorgeführt wird. Wie jetzt Jürgen Domian. Posting weg. Skandal! Zensur! Bitte teilt meinen Text! Ich klage an!

Nein, ich will irgendwie kein Mitleid haben mit ihm. Sorry. Wenn Blogger abgemahnt werden und Spenden sammeln, ist das etwas völlig anderes, dann gerne, bitte sehr, hier ist mein Monatsrest vom Konto, aber ein trauriger Facebooker, der sich beschwert, dass er als die Contentlegehenne behandelt wird, die er ist? Nope. Ist mir egal. Stört mich nicht. Selbst schuld.

Und wie bigott das ist: Erst jahrelang munter und kritiklos das Spielchen mitspielen, dieses bekanntermaßen fragwürdige Medium zum eigenen Vorteil nutzen, mitnehmen was geht, eitel Klicks sammeln und dann, wenn der automatisierte Löschapparat mal bei einem selber zuschlägt, weinen und "Zensur!" brüllen. Und dazu noch mit dem Brustton der Empörung hervorheben, dass man ja immer brav war und die Richtlinien eingehalten hat bevor man zuletzt gleich wieder das Ende der Demokratie beschwört. Du meine Güte.

Warum nicht einfach den Facebook-Account löschen und einen eigenen Blog aufmachen? Klar, weil dann plötzlich nicht mehr 30.000 Follower das eigene Geblubber am laufenden Band routineliken, sondern vielleicht nur noch 30 anonyme Versprengte in der täglichen Besucherstatistik auftauchen, davon 13 Suchmaschinen- und 5 Spambots. Für ein Mediengewächs mit Reichweitenanspruch und einem offenbar nicht unerheblichen Sendungsbedürfnis wäre so ein Aufmerksamkeitsabsturz schwer zu verkraften.

Nein, das geht nicht. Dann lieber öffentlichkeitswirksam weinen, noch ein paar Likes sammeln und doch keine Konsequenzen ziehen.

Traurige Nummer. Trauriger Hype.

Kommentare:

Knoetchen hat gesagt…

Na, er wird sich schon wieder fangen und dann geht alles weiter wie gehabt.

auslisten.de hat gesagt…

Aber bei der Veröffentlichung auf Blogspot ist mir auch ein bisschen unwohl. Gehört einem ja auch nicht ganz, sondern Google. Und das die bisweilen nicbt nachvollziehbar handeln, ist ja erst kürzlich wieder mit dem Reader bewiesen worden.

kreuzbergsuedost hat gesagt…

Sehr schön! Volle Zustimmung. Passgenau getaggt.

µnÐ3rÐ09 hat gesagt…

Google hat den Vorteil, dass man seine Daten jederzeit exportieren und woanders importieren kann. Man bekommt auch genug Zeit dazu, siehe Readereinstellung zum 01.Juli.

Nach dem Reader fürchte ich in der Tat die Einstellung von Blogspot, einfach, weil Google+ mit Gewalt gepusht werden soll und da stehen die Blogs im Weg.

Wenn es so weit ist, exportiere ich eben und ziehe um. So wie ich es jetzt mit dem Reader mache. Blöd, aber kein Beinbruch.

Anonym hat gesagt…

Sauber zusammengebröselt. Gefällt mir.

Glaubwürdig, da selber Contentlegehenne mit Triple-six-history.

Gut kalibriert, nicht den ganzen Kübel über ihn zu kippen... Unter den Medienhuren ist dies die schlimmste nicht.

SP

Stef hat gesagt…

Wenn man Blogspot (oder diversen anderen Diensten) nicht vertraut hilft eben nur selbst hosten, dazu ein regelmäßiges Backup erstellen, und wenn man dann gegen alle Eventualitäten vorbereitet sein will ein möglichst breites Feld an unterschiedlichen Diensten (identi.ca, Friendica, Newsletter) bereithalten für eventuelle URL-Aktualisierungen... Na gut, man kann's auch übertreiben, aber alles ist sinnvoller, als (nur) bei FB zu schreiben.

Anonym hat gesagt…

Ein eigener Blog ist billig und kann kinderleicht erstellt werden. Da reinschreiben und von mir aus die Masse über FB oder G+ ansprechen. So einfach geht das.

Anonym hat gesagt…

Diese Häme ggü. Facebooknutzern halte ich für etwas arrogant. Kritik ist nicht gleich jammern. Schon gar nicht, wenn sie berechtigt ist.

Ob FB alle Inhalte gehören, weil das irgendwo in den AGB steht, ist egal.
FB möchte DIE Kommunikationsplattform im Netz sein und ist es für viele Nutzer auch. Gleichzeitig (offensichtlich ungefragt) Inhalte zu löschen passt daher nicht ins Bild und ist somit auch kritikwürdig.

Stell dir vor die Post schreddert Postkarten ihrer Kunden, weil sie die Motive darauf anstößig findet. Skandal! würde viele wahrscheinlich rufen. Aber Du sagst "selbst schuld". Hmm ...

Besser wäre gewesen deine (unterstelle ich mal) Vorbehalte gg. FB mit Domians Story zu untermauern.


Anonym hat gesagt…

Recht haste ja. Dennoch werden dich jetzt die Domianjünger attackieren.

Anonym hat gesagt…

Für den Posttransport bezahlt man Geld - in Form von Briefmarken. Was bezahlt Ihr für Facebook?

Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich!

Anonym hat gesagt…

Ich finde das auch immer amüsant, wenn sich in irgendwelchen privaten (!) Internetforen Leute über Zensur beklagen und nach Meinungsfreiheit krakeelen. Dabei wird damit nur die eigene Unkenntnis bezüglich dieser Thematik zur Schau gestellt.

Also Leute, gut aufpassen: Ihr habt zwar das Recht, eure Meinung frei zu äußern. Aber niemand ist verpflichtet, euch eine Plattform dazu zur Verfügung zu stellen! Kapiert? Ist doch ganz einfach.

Wenn also Facebook euer blödes Gelalle löscht, könnt Ihr euch immer noch auf die altmodische Art mit einem Plakat an die Straße stellen und eure Meinung in die Welt brüllen. Das Recht kann euch keiner nehmen!

Anonym hat gesagt…

FB Nutzer schauen/klicken Werbung an und liefern Daten, die an Unternehmen verkauft werden. Darüber finanziert sich FB.

Nicht alles was kostenlos ist, ist umsonst ;)

Anonym hat gesagt…

Das heißt, Du unterstützt Zensur im Internet? Und Du findest es gut, wenn Unternehmen Meinungsfreiheit einschränken und sich somit über die Grundrechte von Bürgern hinwegsetzen?

Anonym hat gesagt…

Nein, Zensur im Internet unterstütze ich nicht. Wenn sie von staatlichen Behörden ausgeht. Und genau davor schützt das Recht auf freie Meinungsäußerung.

Gegenüber Privatpersonen oder Privatfirmen hat man aber genau dieses Recht nicht. Es sei denn, man hätte das zum Beispiel vertraglich vereinbart.

Falls sich Facebook vertraglich dazu verpflichtet hat, alle Beiträge seiner Mitglieder zu veröffentlichen, sieht die Sache natürlich anders aus und ich nehme alles zurück.

Übrigens: Auch µnÐ3rÐ09 ist nicht verpflichtet, unsere Beiträge hier zu veröffentlichen. Wir verdanken es allein seiner Nettigkeit, uns hier austoben zu dürfen. Aber ein Recht darauf haben wir nicht.

Anonym hat gesagt…

Nö, Meinungsfreiheit gilt immer und überall ("... sowie allen weiteren verfügbaren Übertragungsmitteln."):
http://de.wikipedia.org/wiki/Meinungsfreiheit

Was Du meinst wird als "digitales Hausrecht" bezeichnet (musste ich auch erst googeln). Wenn ein Nutzer die AGB einer Seite missachtet, kann der Betreiber gg. ihn vorgehen.

Ob Domians Beiträge wirklich gg. die Facebook AGB verstoßen, wäre nun interessant herauszufinden.

Anonym hat gesagt…

"Grundrechte gelten zunächst, insbesondere in Form der klassischen Abwehrrechte, als Mittel der Machtbegrenzung gegenüber Hoheitsträgern, also dem Staat. Sie gelten damit ursprünglich nicht im Privatrecht, auch nicht im Verhältnis von natürlichen Personen einerseits und juristischen Personen andererseits."

http://de.wikipedia.org/wiki/Grundrechte_%28Deutschland%29#Drittwirkung_von_Grundrechten

Anonym hat gesagt…

Lieber Anonym, einigen wir uns darauf, dass wir beide nicht wirklich Durchblick bei dem Thema haben? Falls hier Juristen mitlesen - bitte einmischen.

Elvis von "golocal" hat gesagt…

Das sind schon arme Schweine bei fatze sein book.
Wenn da Leute schon hunderte von "Freunden" haben, dann müssen das Zuhälter oder Busfahrer gewesen sein.