Mittwoch, 31. Juli 2013

Apotheken in Bionadeland


Wenn man krank ist und in Prenzlauer Berg in einer Apotheke um Rat fragt, bekommt man keine Medizin empfohlen, sondern immer erstmal Homöopathie.

"Guten Tag, ich hab' seit Tagen so einen dicken brauen Schleimklops im Hals, ich spuck' den immer wieder auf irgendwelche im Weg stehenden Fahrräder, aber der bildet sich immer wieder neu."

"Das trifft sich gut, ich habe da was Homöopathisches für Sie. Hiervon bitte jede halbe Stunde zweieinhalb Tropfen unter die Zunge und ins linke Ohr während Sie auf einem Bein stehen, dann geht das weg. Macht 12,99 bitte."

Der Scheiß schmeckt wie Metaxa und nach zwei Tagen hat sich der Schleimklops verdoppelt und in die Nase fortgepflanzt. Mehr ist nicht passiert.

"Guten Tag, mein Kind hat Bauchkrämpfe und Blähungen, ich bräuchte da mal was, das hilft."

"Das trifft sich gut, ich hab da was Homöopathisches für Sie. Drei Tropfen von dieser Hefe-Kampfermischung jede Dreiviertelstunde auf den Bauch, dazu das Pippi-Langstrumpf-Lied singen und sich im Kreis drehen, dann ist das im Handumdrehen weg. Macht 11,45 bitte."

Natürlich geht das nicht weg, das Zeug riecht wie Hundepisse und das Kind bekommt zusätzlich Dünnpfiff aus der Fäkalhölle, der erst mit echter Medizin aus einer Apotheke im Wedding weggeht.

Der Gipfel sind immer diese bleiernen Diskussionen, bei denen ich mir vorkomme, als diskutiere ich mit AStA-Vorsitzenden über die Vorteile von Sex oder mit Veganern über den Gargrad eines T-Bone-Steaks:

"Das trifft sich gut, ich hab da was Homöopa..."

"Nee, bitte nicht was Homöopathisches, was anderes bitte. Homöopathie wirkt bei mir nicht, noch nie. Sorry."

"Das kann nicht sein."

"Ist leider so. Ich will Ihnen das nicht madig machen, ich freu mich über jeden, bei dem das wirkt, bei mir tut es das eben nicht."

"Dann haben Sie das falsch angewandt."

"Hab' ich nicht."

"Muss aber. Sonst würde das wirken."

"Nein, ich habe es immer genau angewandt wie vorgeschrieben, auch wenn ich mir zur Einnahme Zöpfe in die Arschhaare flechten und dabei einen Kopfstand machen muss."

"Sie müssen was falsch gemacht haben. Wir haben viele Kundinnen, die schwören drauf. Ich selber ..."

"Hören Sie, ich glaub' einfach nicht daran, okay, deswegen wirkt das wahrscheinlich auch nicht. Tut mir ja auch leid. An die unbefleckte Empfängnis glaub' ich auch nicht, deswegen haut das bei mir auch mit dem Beten nicht hin. Hab's ja versucht, aber ich krieg das Grinsen nicht aus dem Gesicht. Buddha, Mohammed, Ganesha, Homöopathie - jedem sein Glauben, nur mit mir bitte nicht. Ungläubiger bleibt Ungläubiger. Geben Sie mir jetzt bitte die fette Chemiekeule aus Leverkusen. Dann ist morgen meine Erkältung weggeätzt."

"Sie sollten es wirklich nochmal probieren, es ist viel bekömmlicher."

"Hören Sie, Sie glauben gar nicht, welche Mühe es mich kostet, bei fruchtlosen Diskussionen wie diesen freundlich zu bleiben. Ich lasse mich seit Jahren immer wieder breitschlagen, die in Prenzlauer Berg allgegenwärtige Homöopathie auszuprobieren, die mir den Geldbeutel effektiver leert als jeder Stromanbieter das könnte, nur um dann jedes Mal nach einer Woche ohne Besserung genau jenes Mittel zu nehmen, das ich von Anfang an hätte nehmen sollen. Also: Chemie. Den Junk von der gierigen Pharmalobby. Bitte. Jetzt."

Ohne ein letztes Wort geht es natürlich auch hier nicht: "Bitte, es ist ja ihr Körper. Das macht 5,99."

Apotheken in Prenzlauer Berg - ein Hort von Eiferern. Demnächst fahr' ich wieder nach Wedding rüber, wenn ich Medizin brauche. Das ist weniger Arbeit.

Ost-West-Lehrerdissen




Kreuzberg - Marzahn - Kreuzberg - Marzahn - die Qualifikation dafür hat sie jetzt schon. Das ist schon kein Zynismus mehr, das ist Nihilismus.

Dienstag, 30. Juli 2013

Verarsch mich doch (13)


Es sieht aus wie eine aufgeplatzte Eiterbeule.


Ist es aber nicht, es ist ein Baguettebrötchen mit Rührei. Die Inhalte dieser mit allem Möglichen belegten Baguettebrötchen drapiert man beim Bäcker immer so, dass jeder Idiot mit dem IQ einer geplatzten Biolandpapptüte erkennen kann, was da alles so drin ist. Schön ausladend, nicht drin im Brötchen, sondern irgendwie drauf.

Das hat den Effekt, dass der gesamte Inhalt an einer Seite rausquillt, sobald man reinbeißt, und wenn man nicht alles mit den Wurstfingern wieder reinquetschen will, legt man eine Spur vom Bäcker bis nach Hause, was nur gut ist, wenn man sich hier in der Gegend nicht auskennt und wieder zurückfinden möchte, bevor die fliegenden Ratten die Reste fressen.


Ansonsten: Unessbar. Gutes Aussehen vor dem Kauf geht vor Praktikabilität. Und wenn man es gekauft hat, ist es scheiße. Wie immer.

Verarsch mich. Bitte. Nein? Doch!

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Falls sich jemand wundert: Yup, da liegt Schnee. Yup, die Bilder sind etwas älter. Ich verblogge hier eines der bebilderten Textfragmente, die bei mir noch auf der Platte rumliegen und zu denen ich bisher nicht gekommen bin.

Freakhase


Gesehen in einem öffentlichen Scheißhaus in Kiew. Tolle 3D-Kunst. Wegweisend.

Montag, 29. Juli 2013

Väter können ja nix - Vol. II


Es herrscht Hitze. Und Hektik. Kurz noch mit dem Kleinkind zum Lidl gehen. Geht ja schnell. Soll ich Windeln einpacken? Und Taschentücher? Och nee, geht ja schnell. Rein. Einkaufen. Kasse. Zahlen. Raus. Weg. Was soll da passieren?

Rein.

Einkaufen.

Kasse. 

Zahlen. 

Hatschi.

Hatschi?

Oh nein, Rotz aus der Zwergennase über Lippe bis Kinn auf Shirt. Wo kommt denn der jetzt her? Und kein Taschentuch dabei. Was tun? Hand nehmen? Shirt? Fishermans-Packung? Oder doch nochmal reingehen und eine Taschentüchergroßpackung kaufen? 

Vielleicht kann ich ja auch die Frau fragen, die gerade neben mir einpackt und auch ein Kind dabei hat.

"Entschuldigen Sie, haben Sie vielleicht ein Taschentuch?"

"Ja, sicher, wir Mütter sind immer vorbereitet."

Subtext: Ihr Väter nicht.

Peng. Da hastes. Vor den Bug. Mayday, wir sinken. Ding Dong Dengel.

Ein Fuck You will aus meinem Mund.

Das kannst du nicht machen, das ist eine Mutter. Heilig quasi.

Ein Fuck You will aus meinem Mund.

Das hat sie nicht so gemeint. Sie geht eben voll in ihrer Rolle auf.

Ein Fuck You will aus meinem Mund.

Und außerdem hast du wirklich Scheiße gebaut. Ein Taschentuch muss immer dabei sein. Kotze, Pisse, Kacke, die volle Palette, kennste doch. Erwarte alles.

Okay, für das Ding dann wenigstens ein "Fall tot um, du Selleriegesicht."

Auch das nicht. Sie ist Mutter. Du nur Vater. Also unvollkommen. Genetisch. Du machst Fehler. Mütter nicht. Kritik steht dir nicht zu.

Ich strecke die Waffen: "Ja, sorry, muss mir durchgerutscht sein in der Hitze."

Game over. You lose. Please insert coin. Blep Blep.

Whats App 0.2 Beta


Leider ohne Videoclips. Und Emoticons. Dafür schon ohne die Schiefertafeln aus der Version 0.1.

Sonntag, 28. Juli 2013

Goldneun


Berlin-Mitte. Unholy Ecke of Ungarn-Haus somewhere am Alexanderplatz. Hier weht der Wind. Der Wind des Gewöhnlichen. Sea Life. Currywurst für Touristen. Teurer nichtssagender Kaffee. Schnöde Italiener. Nordsee. McDonalds. Der Telespargelfernsehturmpimmel.

Es ist die unfreundliche Rückseite des hippen Hackeschen Markts. Zugig. Furchtbare Architektur aus der Folterkammer Stalins. Hier geht nicht viel, hier läuft man durch und weg, schnell - woanders hin, dorthin, wo es auf jeden Fall gemütlicher ist.

Und jetzt das: Goldneun. Gehobene Küche. Ambiente. Betonlampen. Rote Plastikstühle. Mutwillig zerschlagene Spiegel. Offenbar zog man ein und hat dann erstmal demoliert. Und dann die Lücken gefüllt.


Doch kochen kann man hier. Sehr gut kochen. Nicht ganz auf Sterneniveau, aber vom Feinsten.


Konzept offene Küche. Man kann reinlatschen, den Koch zuquatschen und der freut sich, der Sympath. Überhaupt: Sympathisch. Der ganze Laden. Manchmal grätscht nur etwas Unsicherheit dazwischen: Möchten Sie Eis in den Whisky? Oh bitte nein! Manchmal fehlt der Wein zum Hauptgang und kommt spät nach, aber das ist hier immer noch im Rahmen. Nur bei Michelinsternen würde es mich ärgern. Deswegen gibt es hier wohl keine, obwohl die Küche nah herankommt.

Ich komme wieder - auf jeden Fall. Wenn ich noch Gelegenheit dazu habe, denn die Lage ist heikel, hier hüpften schon einige vielversprechende Ansätze über die Spree. Kein guter Ruf, die Gegend, hier in Rufweite zu Schlögl's Altberliner Gaststube im Dunstkreis des McRib.

Die Anzeichen sind schon da. Man ahnt, es könnte besser laufen. Die große Lounge - unbesetzt, leer, das Restaurant jedoch zumindest gut gefüllt - nur ob das Konzept bei den sicher nicht geringen Mieten hier auf Dauer trägt, kann man mit einigem Recht fraglich stellen.


Und heute bediente Sie: Das Restaurant.

Und morgen? Die Theke.

Und dann? Die Stuhllehne.

Doch. Ja. Gerne nochmal. Sehr gerne sogar.

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Goldneun
Karl-Liebknecht-Straße 9
10178 Berlin

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Nachtrag: Das Lokal scheint inzwischen geschlossen zu haben. Da scheine ich mit meiner Kurzkritik ein wenig zu spät dran gewesen zu sein.

Samstag, 27. Juli 2013

Im Kino International


Berlin hat eine Zeitmaschine mit Namen Kino International. Und die beamt mich direkt in die 80er-Jahre der späten DDR, jeden Moment könnte einer der beiden untoten Erichs um die Ecke wanken, die greise Faust zum sozialistischen Gruße erhoben und zum feuchten Bruderkuss ausholend. Mich gruselt ein wenig.

Hier hat man einfach so die Zeit angehalten und ich finde das gut. So fügen sich Innengestaltung und Außenfassade nahtlos ein in das triste realsozialistische Umfeld der Stalinallee. Wenn jetzt einer noch einen Trabant oder einen Wartburg vor die Tür stellt, ist die Illusion perfekt.

Dies ist wohl eines der ungewöhnlichen Kinos in Berlin, betrieben natürlich von der Yorck-Gruppe, ein wunderschöner Ort, ein Original, das mit einer gehörigen Portion Ironie weiterbetrieben wurde und nun völlig zu Recht Kultstatus genießt.

Konsequenterweise gibt es kein imperialistisches Popcorn und auch keine Kapitalistenbrause vom Klassenfeind. Das einzig Westliche hier ist das sehr freundliche Personal mit Charme wie dieses einzigartige Kino in dieser trotz aller Widrigkeiten einzigartigen Stadt.

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Kino International
Karl-Marx-Allee 33
Berlin-Mitte

Lass mal netzwerken - Links vom 27.07.13


Bei diesem Prachtwetter sollte man mal spazieren gehen:

27.07. #StopWatchingUs – Deutschlandweite Proteste gegen PRISM und TEMPORA

AachenAugsburgBerlinBielefeldBochumCelleDresdenFrankfurtFreiburgGöttingenHalleHamburgHannoverHeidelbergHeidenheimHofIngolstadtKarlsruheKasselKöln - KonstanzLeipzigLübeckMagdeburgMannheimMichelstadtMünchenMünsterNürnbergRegensburg – SaarbrückenSchwerin – StralsundStuttgartTraunsteinTrierTübingenUlmWürzburg

carta: Im Bunker
So ein satter Skandal hat auch einen Vorteil: Der guten Texte dazu kein Ende.

Und ich habe dieses Mal sogar das Gefühl, dass es nicht einfach nur kurz rauscht und dann schnell wieder eine neue Sau gefunden wird. Denn trotz Royal Baby, Zugunglück und Bushido folgt ein herausragendes Statement dem anderen.

Schrottpresse: Der Geist Metternichs
Wie gesagt: Ein herausragendes Statement folgt dem anderen. Groß.

Wenn jetzt schon Anwälte es nicht mehr fassen können...

Recht hat er. Alles da. Blogger. Unabhängige Medien. Oh, kuck mal, das Royal Baby. 

Die besten Texte zur neuen Prüderie kommen aus diesem Blog.

netzfrauenEs wird immer verrückter: Monsanto-Nestlé besitzt jetzt Patente auf Muttermilch
I don't want to live on this planet anymore...

ahoi polloi(1281)
:-)

erzaehlmirnix: Metzger und Vegetarier
:-D

Bis später.

Freitag, 26. Juli 2013

Bitte Werbung einwerfen


Ich bin so ziemlich der einzige im Haus, der keinen affigen Aufkleber an den Briefkasten geklebt hat:


Der normale Biohansel, der hier wohnt, kann natürlich nicht einfach ganz normal mitteilen, dass er keine Werbung möchte, sondern er muss auch gleich wieder seine Mission in die Welt flennen: Ich schütze unsere Umwelt! Schnüff.

Heuchler, ihr schützt einen Scheiß. Kein Flyer wird weniger gedruckt wegen des Aufklebers. Interessiert keine Sau. Aber man kann wieder so schön seine Gesinnung vor sich hertragen.

Dieser Umstand meines jungfräulich unbeklebten Briefkastens führt mit sich, dass ich die ganze Werbung des Aufgangs bekomme, meistens sogar doppelt und dreifach oder noch mehr davon, weil man wahrscheinlich bei mir das nachholt, was man bei den Aufkleber-Biohanseln nicht loswerden durfte.

Ich finde das gut. Denn ich führe einen Guerillakrieg und verteile die Werbung auf die umliegenden Briefkästen. Die mit den affigsten Öko-Aufklebern kriegen das Meiste und immer das, was sie bestimmt nicht wollen: Pizzaflyer, russische Autoschieber, Nagelpflege-Coupons, McDonalds-Gutscheine. Und das Schlimmste: Kaufland. Mit wem ich es gut meine, der kriegt die Flyer von der durchgeknallten Heilpraktikerin gegenüber - die mit den Spaghettihaaren, der Muschelkette und dem irren Blick einer Konvertitin, deren Walgesänge immer aus ihrem offenen Fenster quietschen, wenn sie mal wieder ihre Chakren fließen lässt.

Kürzlich stand der Ober-Gentrifizierer persönlich mit mir im Treppenhaus und flennte mir die Ohren voll, dass er immer noch Werbung in die Papiertonne entsorgen muss - trotz Aufkleber. Ihm gehören jetzt schon vier Wohnungen im Block, er lässt sanieren wie entfesselt - Natursteine, Bastmist und mundgeblasenen Bambusscheiß von Bioholzfällern aus Chisibubikaio - und natürlich hat er den größten "Ich schütze unsere Umwelt"-Aufkleber auf dem Briefkasten. Mit einem Frosch, der die Erde von hinten in den Arsch fickt.

Oder umarmt.

Je nach Sichtweise. Ich finde, er fickt.

Hey, Biobambusbastmann! Du fragst dich, wer dir die Werbung in den Schlitz steckt? Trotz fickendem Frosch? Ha! Icke! Icke! Ficke! Ficke! Hier! Icke bin's! Fang mich doch! Häng doch einen Fahndungszettel in den Hausflur, wie der, mit dem du den letzten Nicht-Mülltrenner im Block dingfest machen willst. Mach doch! Haha! Hahaha!

Ha.

H.

Ja, ich weiß, viel Spaß bleibt hier nicht mehr. Man muss nehmen, was da ist.

Donnerstag, 25. Juli 2013

Junkfraß aus der Industriehölle


Ich bekomme manchmal unglaublich ekelhaften Heißhunger auf Junkfraß. Glutamat. Chemie. Instant. Salz!

Zum Glück gibt es bei mir um die Ecke diesen Asiahandel, an dessen Kasse ein Gelangweilter sitzt und sich den ganzen Tag schrille Thaisoaps via Internet reintut. Aber der hat alles, was ich brauche, wenn ich es brauche: Fiesesten Cup-Nudel-Instantkram in allen Farben und Formen:


Was wird passieren? Werden mir Hörner wachsen? Ein zweiter Penis? Brüste? Antennen? Ein Ringelschwänzchen über der Kimme? Look:


Grundgütiger. Die Asche eines Verstorbenen. Auf meiner Brühe. Und wenn die Asche nass wird, sieht sie aus wie dünner Suffschiss! Zauberei! Aber ich habe auch eine giftgrüne Chemieerbse. Innen hohl. Aber Vitamine! Oder so.

Aber was ist das?


Ein Embryo? Ohrenschmalz? Ein eingelegtes Nierchen von der Omma? Oppas Hörgerät? Darmwurm? Lindwurm? Penisgrind? Ich fürchte, das soll eine Garnele darstellen, also eine geknetete Garnele, von einem blinden Einarmigen geknetete Garnele, quasi als Andenken an die vom Deckel:


Die ist heute nämlich nicht da. Hat Freigang. Daher gibt es sie heute für mich leider nur püriert, zusammengematscht und halbmondig geformt, aus Mist, der weg muss: Bratenfett, Gedärme, Pansen, Hornhaut, Fischschuppen, das gelbe Zeug unter den Fingernägeln vom Hausmeister unserer Kita. Irgendsowas.

Hölle...? Sind das zwei Augen?


Und grinst das Ding etwa? Und was hat es für Ekzeme auf der Haut?

Bragh. Das Ziel ist erreicht, ich habe mein Leben um mindestens einen Monat verkürzt, das kann der Körper niemals mehr abbauen, das wird in meinen Eingeweiden schwelen wie Plutonium. Und irgendwann werden sich die Abdecker wundern, was da im Sarg so leuchtet.

Das ist keine Nahrung mehr, das ist Selbstverstümmelung. Für Einsfuffzig. Günstig. Immerhin.

Mittwoch, 24. Juli 2013

Imaginierte Auspuffpenetration


Bei Buchbinder an der Weißenseer Spitze leihe ich gelegentlich ein Auto. Das klappt ganz gut, die Wagen sind gepflegt und relativ neu. Auch das Personal ist sehr freundlich und verbindlich, nur eine der Damen macht jedes Mal, wenn sie vom Kontrollrundgang nach der Rückgabe zurückkommt, ein vorwurfsvolles Gesicht, als hätte sie mich gerade beim Penetrieren des Auspuffs erwischt.

Und dann stehe ich an der Theke wie ein beim Kiffen im Fahrradkeller der Schule erwischter Teenager und schwitze sortenreinen Ammoniak, meine Hände zittern wie die des morgendlichen Sprittis am S-Bahnhof und ich erwarte jeden Moment das rückstandslose Verpuffen meiner Kaution wegen eines Längskratzers an der Karosserie, eingetrockneten Senfresten am Lenkrad oder eines unentdeckten Koksdepots unter dem Fahrersitz (ach da war das).

Aber nichts kommt. Und nichts verschwindet. Schon gar nicht meine Kaution. Alles prima. Immer.

Nur das Adrenalin braucht noch eine Weile, bis es die Blutbahn wieder verlassen hat.

Abenteuer Satan


Sie haben eine neue Stufe der Degeneration erreicht, wenn Sie morgens beim Blick auf die Scheißhauspapierpackung "Abenteuer Satan" lesen und achselzuckend weiterkacken.

Dienstag, 23. Juli 2013

... und so geht ...


... ein perfekter Tag über den Dächern von Prenzlauer Berg zu Ende. Mojito in der linken Hand, großartiges Buch in der rechten. Sommer. Sonne. Deck 5. Die irrsinnbrütende Stadt mal von oben. Und der Player im Ohr übertönt die elektronische Fahrstuhlmusik gnädig mit Ton Steine Scherben. Wind kommt auf. Tage wie diese atmen Leben. Endorphin-Overkill. Grüße nach Kreuzberg.

Der Irre vom T-Punkt


Ich stehe im T-Punkt herum. Niemand kümmert sich um mich. Außer ein Irrer, der neben mir an der Theke lehnt und um den sich auch keiner kümmert. Er spricht zu mir:

"Dälägom! Ämmo Dälägom! Do woisch was de hosch. I säch ämmo Dälägom! I bin scho ämmo bei d' Dälägom. Mei ganzä Familjä isch bei d' Dälägom. Ällä. Do woisch oifach was de hosch."

Comedy. Irgendwo sitzt Guido Cantz und lacht sich seinen unlustigen Arsch weg. Er spielt heute Marbach am Neckar mitten in Berlin. Und Deutschland schaut zu und findet das witzig. Routine, Alter. Mach es wie bei allen Irren dieser durchgeknallten Stadt: Ignorieren. Nicht anschauen. Die sind gar nicht da.

"Ärrlich! I bin bgeischdort von d' Dälägom. Immer gwä. Hörsch? I ko do no oratte zu d' Dälägom. Ämmo subber Sörwiss. Kansch do sicher sei."

Der kuckt mich an, der meint mich. Ganz klar. Er feuert Propaganda von der Seite in einer komischen Sprache. Hat den Vodafone bezahlt, damit er Kunden vom T-Punkt vergrault? Was will der von mir? Ich lächle ihn an wie ich einen anlächeln würde, der sich mit seinen eigenen Exkrementen einschmiert während er versucht, sich selber einen zu blasen. Was ein Fehler ist. Denn jetzt fühlt er sich ernst genommen.

"Hähähä I hanns ämmo scho gsaggt. Neamadds woandoscht. I will des ganze Gseich net hom. Nur Dälägom."

Ist ja gut, meine Güte, die Verkäuferin lächelt mich milde an. Weil der mit mir spricht. Und nicht mit ihr. Ist wahrscheinlich shopbekannt als Telekom-Groupie. Dälägom!

Ich falle zurück in das bewährte Muster, schaue so ausdruckslos wie ich nur ausdruckslos schauen kann und ernte ein Pferdelachen: "Sä-hä mochots richdig! Gibbt nix bessos. Machätse Dälägom." und klopft mir auf die Schulter. Kumpelei. Verbrüderung. Mit Anfassen.

"Hören Sie, ich muss dringend weg, ich glaube, mir ist gerade meine Ohrhämmerchen durchgebrochen und versucht sich durch das Trommelfell zum Zigarettenholen abzuseilen. Und mein Blinddarm versucht in seiner Verzweiflung, die Milz in den Arsch zu pimpern, damit man ihn endlich aus mir entfernt. Ich muss weg. Schicken Sie mir alles was Sie so haben per E-Mail bitte? Hier meine Adresse, ich unterschreib' alles, aber ich muss weg. Ja? Dange! Subber! Tschüssle."

Lass mal netzwerken - Links vom 23.07.13


Hat sich wieder einiges an lesenswerten Links angesammelt.

wirres.net: prostestwahl
Felix' Aufruf zur Wahl der Piratenpartei. Weil er sie mittlerweile so bescheuert findet, dass er keine großen Enttäuschungen erwartet. Ein zweifellos gut geschriebener Aufruf, der mich aber leider nicht überzeugt. Wenn das der Grund sein soll, zur Wahl zu gehen, dann ist es besser, zu den hoffentlich 40% zu gehören, die sich diese Farce nicht mehr antun.

Amélies Blog: Kinder gesucht...
Eine Kita, die Kinder sucht. In Berlin. Dreht sich der Spieß langsam um? Endet die Selbstherrlichkeit?

Christian Buggischs Blog: Warum noch immer Kinder an Masern sterben? Darum!
Impfverweigerung ist der neue Trend in Esoland. Und das sind die Folgen.

Frau Indica: Filmkulisse
Großartige Beschreibung eines wunderschön verfallenen Gebäudes. Ich habe fast Bock, da einzuziehen.

Flusskiesel: Ministerielles Kartenspiel
Ein Albtraum.

Stützen der GesellschaftOccupy Tegernsee - wir sind die 1%
Die Bourgeoisie tritt nach unten. Vielleicht hilft einzäunen. Mit Pförtner, sorry, Concierge.

Die roten Schuhe: Von kraulenden Krallen
Stark. Einfach nur stark. Ausdrucksvoll. Auf den Punkt gebracht. In der einen Hand das Florett und in der anderen den Vorschlaghammer. Toll.

... Kaffee bei mir: Die Geheimhaltung der drei Affen
Doch, es muss noch mehr zum Thema gesagt werden. Zum Beispiel dies.

debattiersalon: Totalüberwachung: Wie eine träge Herde Kühe
Und dies.

Lumières dans la nuit: Übers Bloggen (21) - Wie viele Blogger...
Ja, wie viele Blogger ziehen eigentlich Konsequenzen? Niemand. Ich auch nicht.

Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Eigentum vernichtet
Hart.

Am Rande der Gesellschaft: Ach, da vorne sitzt wieder der Alte!
...

Montag, 22. Juli 2013

Gegrillte Tierleichen aus Weißensee


Für das beste Grillhähnchen Prenzlauer Bergs muss man ein paar Meter über die Ostseestraße nach Weißensee rein. Geht nicht anders. Alle anderen taugen nix. Innen trocken und fad, dafür außen überwürzt und extrem fettig, die Haut labberig, mit gallertartigen Fettstücken - im Ergebnis nur schwer essbar. Massentier-KZ. Wiese. Hof und so. Meist bekommt man diese traurigen Hühner als Beigabe aus der Ecke einer der letzten ranzigen Dönerbutzen der Gegend angeboten, wenn man ausnahmsweise mal nicht vom fiesen Hackfleischspieß im trockenen Fladenbrot auf Eisbergsalat naschen will.

Vor dem Rewe an der Ostseestraße steht an vier Tagen in der Woche ein in hoffnungsfrohem Gelb/Orange gekleideter hochanständiger Imbisswagen, der Hähnchen, Putenkeule und Schweinshaxe vom Grill verkauft.

Das Präsenzsystem, vulgo: an welchen Tagen der Imbiss vor dem Rewe gastiert, habe ich entweder nicht begriffen oder es gibt keins. Ich weiß nur, dass er ungefähr vier Tage in der Woche dort steht - an welchen das ist, ändert sich laufend und ist vielleicht von der Lage des nächstgelegenen Asteroidengürtels, dem Menstruationszyklus der Besitzerin oder dem völlig willkürlichen Fahrplan der Berliner S-Bahn abhängig. Mal da. Mal nicht. Keine Ahnung, ich steig' da nicht durch.

Gut, ein Scheißname ist das auch. Gaumenschmaus, ein Oma-Wort wie aus der Endzeit der Weimarer Republik, aber egal: Wenn gegrillte Tierleichen, dann da.

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Gaumenschmaus
Vor dem Rewe
Ostseestraße 23
10409 Berlin

Apostroph-Exzess


Die gab es heute im Dutzend billiger. Mit 20% auf alles. Außer Rechtschreibung.

Sonntag, 21. Juli 2013

Verarsch mich doch (12)


Hotel. Im Bad. Hurra, da isser wieder, der scheinheilige Aufkleber. Benutzen Sie die Handtücher, bis sie vor Dreck stehen. Helfen Sie unserer Umwelt! Der Umwelt zuliebe! Wir werden sonst alle sterben.

Bibber.

Wimmer.

Buäh.

Und ein riesengrüner Baum drauf. Entwurzelt.


Verarsch mich doch. Umweltschutz. Na klar. Ihr Heuchler wollt nur die Kosten für die ganze Wascherei sparen. Die Umwelt interessiert Euch einen Dreck. Es geht um Kohle. Um die Bilanz. Senkung von Wasser- und Stromkosten. Und für Waschmittel. Nur kann man das nicht so hinschreiben, weil das so kleinlich klingt, so arm, so erbärmlich, so ... ja, gierig.

Also schiebt man wieder Öko vor.

Öko geht immer.

Öko wäscht jeden dreckigen Hintergedanken sauber und rein. Grüner Baum. Umwelt. Kaltes Glas Wasser. Klingt nach reinem Gewissen. Rein. Natur. Bach. Blüten. Und die Drossel. Amsel. Fink und Star. Tralala. Hand aufs Herz zum heil'gen Schwur: Wir schützen die Umwelt. Und bei den Handtüchern fangen wir an. Nicht beim Dosenthunfisch im Toskanasalat, den neuseeländischen Braeburnäpfeln, dem ewig fettgezüchteten Lachsfilet zum frischen Spargel im November, den zwischen Rotterdam und Marokko hin- und hergegurkten Tiefkühlgarnelen für den Shrimpcocktail, nicht beim ewig sprudelnden Brunnen an der Rezeption oder dem dauerbeheizten Außenpool, den Heizpilzen auf der Terrasse und der Festbeleuchtung im sterilen Gartenpark mit den armen mutwillig verkrüppelten Bäumchenskulpturen in Kegelform.

Nee. Das würde ja auffallen, wenn wir da sparen würden, das würde dann irgendwie so armselig wirken wie wir sind. Fangen wir lieber mit den Handtüchern an. Da kann man so schön auf die Tränendrüse drücken und Öko vorschieben, dabei spart das bares Geld. Und der Gast kriegt ein mörderschlechtes Gewissen, wenn er das alte Drecksding mit den Resten der vor Tagen aufgeschrubbten Arschbackenpickel nebst Regelblut und Kopfhaarschuppen endlich auf den Boden wirft.

Und alle scheintoten Biohansel aus allen scheintoten Biohanselhochburgen von Prenzlauer Berg über Mar- und Co- bis Freiburg freuen sich wieder einen nachhaltig gebackenen Keks aus gabunesischer Mannahirse, weil sie ein weiteres Mal die Welt retten, indem sie eine Woche lang ihre verkeimten Handtücher benutzen, bis sie ihnen vom faltigen Leib faulen.

Ich bin wieder mal raus aus der Nummer. Mach' ich nicht mit. Ich trenn' keinen Müll, fahre kein Fahrrad und schmeiße jeden verdammten Tag verdammte Handtücher auf verdammte Badezimmerböden. Zumindest, wenn ich im Hotel bin. Verarsch. Mich. Doch.

Berlin-Marzahn bei schönem Wetter


Hier wurde die DDR nur notdürftig mit Billboards überklebt.

Samstag, 20. Juli 2013

Buddhas Küche: Curry as Curry can


Für Buddhas Küche, eines von gefühlten zwei Milliarden Vietnamlokalen der touristisch besetzten Gegend um das Schlesische Tor, brauche ich Gleichmut. Denn für Deutsche, die es außerhalb der gehobenen Kategorie gewohnt sind, sich im Lokal hinzusetzen wo sie es wollen, entsteht gleich nach dem Betreten ein seltsames Gefühl. Denn man wird platziert.

Platziert. Ja, wie zu Ostzeiten.

Oder wie im Rest der Welt. Außer in Deutschland.

Das mutet manchmal komisch an und ein wenig stört es mich auch, wenn ich alleine an den allerletzten Katzentisch hinten in der Ecke bugsiert werde oder nebenan eine dreiköpfige Gruppe von einem nichtreservierten (!) Tisch extra noch mal aufstehen und die Mäntelchen raffen muss, weil der Service einen anderen Vierer-Tisch für diese Gruppe vorgesehen hat. Ganz offenbar sollen die von der Straße sichtbaren Tische bis zuletzt frei bleiben, um potenziell nachrückende Gäste nicht abzuschrecken. Wer schon drin ist, ist dann nur noch Manövriermasse.

Naja.

Die Sommerrollen in dem Laden sind überraschend fad, sie bestehen größtenteils aus Gurke, geschmacklosem Huhn aus dem Großhandelseimer, irgendetwas Salatartigem (Hölle gefriere zu, wenn es tatsächlich Quasimodo der Eisbergsalat war), sind umwickelt mit der üblichen Reispappe und schmecken nach absolut gar nichts, wenn man sie nicht in die sauer-scharfe Instantbrühe tunkt, was nur wenig am faden Eindruck ändert. Ist dann eben etwas säuerliche Pappe. Es gibt nicht einmal Zitronengras, um kulinarische Raffinesse wenigstens zu simulieren.

Gulp.

Der grüne Tee enttäuscht ebenfalls. Ich vermute seine Herkunft im fünf-Kilo-Muss-weg-und-ist-deshalb-billig-Sack von der Metro oder in Bauer Mettes Heuschober. Gut ist er nicht. Er wäre vielleicht erträglich, wenn man ihn nicht zusätzlich in kochend heißem Wasser servieren würde, denn das gibt ihm noch den Rest und er schmeckt nach lang gelagertem Heu oder Kiff.

Die Hauptspeisen auf Kokos- und Currybasis sind geschmacklich halbwegs brauchbar, wobei die irrwitzige Menge Kokosmilch dann beginnt zu ärgern, wenn man bereits ab der Hälfte nicht mehr mit Stäbchen weiterkommt, sondern die Suppe schnöde auslöffeln muss. Hier begegnen wir auch wieder unserem Eimerhähnchen aus der Sommerrolle.

Déjà vu.

Die Gerichte mit Rind und Ente sind besser, oft sogar herausragend gut und hier haben wir nun endlich einige Lichtblicke. Manchmal trifft mariniertes Rind auf Gemüse in Limetten-Chili-Pho und ist in dieser Kombination schlicht großartig. Sowieso habe ich den Eindruck, dass die Nudelsuppen mit Fleischeinlage den Reisgerichten um Äonen voraus sind. Ja, die sind gut. Wenn hier, dann das.

Man muss also wissen, was man bestellt und was man besser seinlässt, hier in der Touristenmeile Falckenstenstraße. Nur dann wird es gut.

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Buddhas Kitchen
Falckensteinstr. 42
Kreuzberg


Sie überwachen auch jeden Scheiß


Neulich am FEZ:


Ich schreib' übrigens nix zu Prism, das haben fast alle Politblogger von Rang und Namen getan und das besser, als ich es je auf den Bildschirm bringen könnte. Sie haben alle Recht: Es ist ein Trauerspiel und ich bin so hilflos wie alle. Mir fällt nichts dazu ein außer Fassungslosigkeit und die lässt sich schwer niederschreiben.

Doch die Systempresse wacht auf und schreibt plötzlich regierungskritisch: Georg Diez geht nicht mehr wählen. Wozu auch, wenn sich selbst die gewählte Regierung eines bis auf die Knochen ausspionierten Landes für hilflos erklärt?

Freitag, 19. Juli 2013

Verkauft sich wie geschnitten Aufkleber


Bööööööööööh Bio. Seit Jahren versuche ich mich dem in Prenzlauer Berg raumgreifenden Biowahn designerkinderwagenschiebender und pullisausnachhaltigerwollestrickender Häuslebauer zu entziehen, boykottiere Biosupermärkte jeglicher Couleur, pfeife auf handgeknetete Hirsefladen mit marokkanischer Nanaminze in den Salatblattbutzen gestrauchelter Germanisten, lasse das anbiedernde Bioregal bei Kaisers aus voller Überzeugung links liegen, schmeiße grundsätzlich alles in die Restmülltonne und esse gelegentlich sogar eine Protestkettwurst mit warmer Chemiekäsesoße vor den Augen entsetzter Biokinder.

Manchmal knicke ich jedoch ein, werde weich, bin neugierig, will wissen, wie das goldene Kalb so schmeckt, um das hier alle tanzen. Und so war ich jetzt doch mal da im BioBrotBäckerBackHaus oder wie das heißt.


Was soll das denn? Welche Tofuwurst kam auf die Idee, Aufkleber auf Brote zu kleben und dies dann auch noch gemeinsam zu schneiden? Die Scheiße geht zudem nicht mal ab, man kann nur die Oberfläche des Aufklebers entfernen, der Rest bleibt kleben wie Kettritzens Werbung an meiner Haustür. Nicht abzukriegen, ich muss die ganze Brotrinde abpulen und wegschmeißen. Den vier Scheiben in der Mitte fehlt jetzt ihre Rinde mit den ernährungsphysiologisch so sinnlosen Sesamkörnern.

Was für eine Verschwendung. Biohansel. 3,50 für ein winziges Brot und dann doch nur Stümperei. Helden.

Der SEV, der SEV, der ewige SEV


Soso. Es besteht SEV. Soweit sind wir schon. SEV erklärt sich inzwischen selber. Ist schon in den allgemeinen Wortschatz übergegangen. Wenn auch nur in Berlin. Schienenersatzverkehr heißt das. Mit Bussen. Vulgo: Die S-Bahn fährt mal wieder nicht und wir fahren im Hochsommer in viel zu wenigen Bussen im Stehen eng zusammengepfercht durch den Stau der stinkenden Stadt. Der SEV ist aber auch ein Schlingel. Wird nicht eingerichtet, sondern besteht. Einfach so. Wie ein Naturereignis.

Manchmal tun sie mir leid, die armen Touristen, die das im iPhone-Wörterbuch nachschlagen und nicht finden.

Donnerstag, 18. Juli 2013

Endstation Treptow


Der westliche Vorplatz des S-Bahnhofs Treptower Park ist ein unglückseliger Ort. Hier treffen sich die Verlierer der Wende mit den Verlierern der rot-grün-schwarz-gelben Arbeitsmarktreformen und denen, die so aussehen, als seien sie die Verlierer des letzten Weltkriegs.

Hier an diesem verfallenen und verrosteten Büdchen rülpsen sie ihr Unglück in die Welt – in der Hand die obligatorische Morgen-, Mittags- oder Abendmolle, je nach Tageszeit.

Es ist ein perspektivloser Ort mit perspektivlosen Menschen, der erschüttert und betroffen macht. Selbst die Dealer haben sich mangels Zukunft von hier verzogen. Nix zu holen.

Willkommen in Treptow.

Die Imbissbude wurde vom Stammpublikum mit der Zeit konsequent runtergewohnt wie ein durchschnittliches Wohnzimmer in einer durchschnittlichen Neuköllner Studenten-WG. Der Verfall ist vorprogrammiert und für jeden sichtbar unausweichlich. Hier geht es nicht aufwärts, hier herrscht der Untergang.

Ich esse eine Wurst. Sprachfragmente sekundieren:

"Ey wenndie Olle nochma die Fresse uffmacht jibtet ne Schelle."

"Die Fotze vom Arbeitsamt hat jesacht ick soll Bewerbungn schreim, sons jibs keene Kohle mmehr, die hat ja wohl een anna Schraube, abba jewaltich!"

"Wenna Scheißköta nich uffhört zu belln schmeissickn uffe Gleise."

Und der Klassiker: "Kiekstna?? Fafatzda oda ick hau da uffs Maul."

Die Trostlosigkeit der Worte hat auf Dauer die gleichen Folgen wie der Säuferurin auf die umliegenden Pflanzen. Leben geht kaputt.

Hier eine Bratwurst zu essen ist etwas für Abenteurer und Soziologen, die hier so tief in das Elend der deutschen Hauptstadt anno 2013 eintauchen können wie fast nirgendwo sonst.

Wenigstens gibt's eine ziemlich gute Bratwurst dazu. Und wenn man will ein Bier.

Was ist hier nur los?


Seltsam. Wenn man ein freies Abteil in der Berliner S-Bahn hat, hat dort entweder jemand einen frischen dampfenden Suffschiss hingekackt oder jemand liegt in seiner eigenen Kotze und schifft sich gerade ein.

Heute nicht. Das Abteil ist frei und nirgendwo liegen Ausscheidungen. Was ist hier los?

Mittwoch, 17. Juli 2013

Verarsch mich doch (11)


Nase spülen. Soll ich machen. Sagt der Hals-Nasen-Ohren-Doc. Mit Nasenspülsalz. Dann wackeln nachts die Wände nicht mehr so und die Statik des Gebäudes bleibt erhalten.

Also kauf' ich 'ne Nasendusche. Für Zweistellig.

Und nu? Soll ich mir stinknormales Discountersalz in die Nase kippen? Nee, sagt der Doc. Nee, sagt die Apothekerin erst recht. Besser Apothekensalz. 8 Euro. Vom Marktführer 'Emser Salz'. 8 Euro? Geht's noch? Was ist da drin? Goldstaub? Lithium? No way. Rossmann hat auch Nasenspülsalz. 40 Beutelchen. 3,99. En garde, ich kauf' das Salz von Rossmann, ich Schnäppchenjäger. Haha, ihr könnt mir nix, im Sparen bin ich ganz groß, ich spare wie der Leibhaftige!


Pharmasalz steht da drauf. Pharmasalz? Was ist Pharmasalz? Was besonderes? Mit geheimer Zutat? Zum extra-turbo Nasefreischaufeln? Ah, Natriumchlorid. Cool. Mal sehen, was bei meiner großen Packung Lidlsalz für 49 Cent aus dem Küchenschrank draufsteht. Ah, auch Natriumchlorid. Komisch, da stimmt doch was nicht, das Lidl-Salz löst sich bestimmt nicht so gut auf im Wasser. Doch. Tut es. Sehr gut sogar. Die Nase ist danach auch frei.

Haha. Ich bin der Honk. Man hat mich wieder mal verarscht. 3,99 für 40 räudige Salzbeutelchen zu 2,25 g. Hahaha. Kann man so dumm sein? Ja, man kann. Und wie. Man kann sogar noch dümmer sein, so wie ich, und kauft gleich fünf Packungen davon. Hamsterkauf. Vorratshaltung. Falls ein Atomkrieg ausbricht, infolgedessen die Nordkoreaner in Prenzlauer Berg einmarschieren und es dann kein Nasenspülsalz mehr gibt. Fünf Packungen! Ich Sparfuchs! Jetzt sitze ich auf 200 überteuerten Scheißbeutelchen stinknormalem Salz, dafür aber in kleinen abgepackten Portionen. Luxus pur, hier mein Geld, ich brauch's nicht, ich kauf' noch mehr Nasenspülsalzbeutelchen, das reicht noch nicht, ich kauf' noch mehr, ich kauf' alles, was keiner braucht, zock mich, zeck mich, Pharmasalz, ich muss verrückt sein und glaub' es wieder, ich glaub' eh alles - nenn' Scheiße nach Gold und ich kauf' es bestimmt, ich kauf' alles, es muss nur einen guten Namen haben, Pharmasalz, yeah, verarsch mich, verarsch mich doch.

Autobahn-Apokalyptiker


Wenn ich diese verhärmten Berufsprotestgestalten sehe, die mit routiniert dauerempörtem Duktus eine Hochwasserkatastrophe für ihre apokalyptischen Sehnsüchte instrumentalisieren, bekomme ich richtig Bock auf diese neue Autobahn quer durch Wohngebiete, Laubenpieperkolonien und den Treptower Park. Aus Prinzip.

Auch wenn ich diese Autobahn sinnlos und total bescheuert finde.

Aber diese Gesichter, diese frustrierten Bioladengesichter...


Wo steht die Planierraupe? Ich fahr' schon mal vor.

Dienstag, 16. Juli 2013

Bunker! Bunker! Ab in den Bunker!


Wer tut so etwas?


Die schöne Pappelallee!


Zwei Kilometer Altbauten, manchmal sogar noch verziert mit Stuck, Ornamenten, Figürchen, zwischendrin das alte Finanzamt mit seiner wilhelminischen Wuchtarchitektur, Klinker neben Großbürgerbauten im Jugendstil ohne Ende. Einer der schönsten Straßenzüge Prenzlauer Bergs.

Und dann dieses Trio Infernale irgendwo mittendrin.

Das Teil links könnte ja bei wohlwollender Betrachtung noch als Parkhaus durchgehen - in Bottrop oder so, Gelsenkirchen, Gießen vielleicht, 60er-Jahre-Bausünde mag man denken, wir hatten ja nix, allein: Das Ding ist neu. Aber macht nichts, da kann man ja wirklich noch ein Parkhaus draus machen. Oder einen Atombunker. Konsulat für Nordkorea. Kaufland meinetwegen. Oder einfach eine Kulisse für Resident Evil 26 mit Milla Jovovich und ihrer Gehhilfe, die mit dem Krückstock nach Zombies schlägt.

Das Ding rechts, gut, das ist wohl wirklich der letzte unsanierte Altbau im Bezirk, da kann man erst recht noch was draus machen, wenn man will. Da sind sich nur wohl die Erben noch nicht einig, ob man die Fassade nun türkis oder pink anmalt und wie viele Wohnungen man nun genau mit Durchbrüchen zusammenlegt - für Oligarchen, Reeder oder die Kinder von Investmentbankern. Und die alten Mieter müssen auch erst mal raus vorher, so einfach ist das alles nicht.

Nein, der Gipfel der Scheußlichkeit ist dieser orangefarbene Bunker in der Mitte mit diesen asymmetrischen Schießscharten, was bei genauerem Hinsehen düstere Balkone sind.

Ein Albtraum.

Ätzend.

Ich konnte es nicht fassen, als ich es sah.

Wer tut so etwas? Das ist so, als wenn ich auf Arbeit auf das liebevoll angerichtete Geburtstagsbuffet vom Chef kotze, einen dicken dampfenden Haufen mitten auf den Biospielplatz der Feldenkrais-Namenstanzgruppe kacke oder mir vor der Champagnertheke auf Wowis Hoffest die Pulsadern aufschneide und auf dem Flauschteppich davor langsam ausblute.

Sowas tut man nicht.

Man kackt auch keine unansehnlichen 70er-Jahre-Orange-Plastikfassaden mit Bunkerbalkonen in eine Allee voller Jugendstil.

Tut man einfach nicht.

Montag, 15. Juli 2013

Core - Wie schmeckt denn Koreanisch?


Wieder ein guter Laden im Geheimtipp-Dauerproduzent Pappelallee, der gewaltig im Kommen seienden Fressmeile der besseren Klasse für die, die dem Nepp auf der Kastanienallee entwachsen sind und das zu teure und zu schlechte Essen dort und auf der Oderberger den Touristen überlassen, die es nicht besser wissen können.

Günstig, aber gut.

Asiatisch, aber nicht profan.

Fein, aber nicht abgehoben.

Witzig sind die Gäste, diese ganzen jungen Kerle derjenigen Sorte, die wir früher mit dem Kopf voran ins Schulklo gesteckt haben. Kreuzbiedere Junge-Union-Gesichter mit Hemd unter Elchpullover. Hornbrille. Einer davon mit ironischem Oberlippenbart. Starring Nathan Wind as Cochese. Ja, so etwas gibt es noch, zwar nicht mehr in Pforzheim-Buckenberg auf dem Schützenfest, aber hier in Berlin-Prenzlauer Berg.

Witzig sind natürlich auch die Bilderbuchmütter, ohne die es in Prenzlauer Berg einfach nicht geht. Zwerg an der nackten Brust, Pampers-Kacksack auf dem Tisch neben dem Essen und den Haussklaven durchs Telefon anscheißend. Das kann man sich gar nicht ausdenken sowas. Nur bestaunen.

Und sowieso ist es witzig, wie man hier potenziellen Sauertöpferern ("Des isch abber scharf...") gleich zu Beginn den Wind aus den Segeln nimmt:


Ja, ich weiß, zu viele scheißen ihr Blog mit Essensbildern zu. Essensbilder sind das neue "Mein Haus - mein Auto - mein Boot" der Nullerjahre und danach. Ganz Facebook ist voll davon. What's App-Gruppen auch. Kuck mal, ich hab was gegessen, bewunder' mich. Kuck mal, heute gab es Krautwickel, gib mir Aufmerksamkeit. Oder ein Like. Und hier mein Doppel Whopper mit Käse. Aber ohne Zwiebeln. Weil die mag ich nicht. Ist das nicht interessant? Oder kuck mal, meine Wurstbemme von der Schule, neben dem mjam mjam lecker Mettigel von gestern, der ist schon feist angraut, rofl lol lol blep blep.

Ich mach' das nicht. Oder nicht so oft. Selten. Manchmal. Auch.


Leere Teller sind viel sowieso aussagekräftiger. Nix mehr übrig. Wie schmeckt denn jetzt koreanisch? Lecker. Sicher. Core in der Pappelallee. Ich bin da jetzt öfter.

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Core
Pappelallee 84
Prenzlauer Berg

Ostkreuz / Ausgehöhlt


Ein ausgehöhltes Stück Rest vom alten Ostkreuz. Die Tür ist noch dran. Vor sehr vielen Jahren habe ich gegen Morgen - sternhagelvoll aus dem 'Koma' in der Neuköllner Sonnenallee kommend - gegen diese Tür gepisst.
Die zwei grienenden Sicherheitspappnasen, die mir dabei über die Schulter schauten, freuten sich über 20 Mark. Schwarz. Ohne Quittung. Ohne Bahnbullen. Korruption gab es damals schon.

Wieder eine Geschichte.

Viel ist nicht mehr da.

Und das 'Koma' in Neukölln gibt es auch nicht mehr.

Zeit rast.

Sonntag, 14. Juli 2013

Herzlichen Glückwunsch, es ist ein Honk (14)


Viele Menschen kommunizieren ja gerne in indirekter Rede. Wenn sie Kritik üben, passiert das um die Ecke, formell gar nicht direkt an den Adressaten, sondern an einen anderen zufällig Anwesenden, aber immer so laut, dass der Adressat es auf jeden Fall versteht.

Beispiel?

Vor der Kita. Ich im Auto. Rechts von mir ein freier Parkplatz. Selten genug in der Gegend. Ein Auto kommt mir entgegen. Die Frau da drin peilt den Parkplatz mit den Augen an - in den ich aber nunmehr rückwärts einparke. Sie wendet, bleibt hinter mir stehen und wartet - offenbar darauf, dass ich wieder rausfahre und ihr den Parkplatz überlasse.

Was ich nicht tue. Warum auch?

Als ich mit Zwerg unterm Arm aussteige und meinen Kram zusammenpacke, steigt sie auch aus und ruft der Erzieherin, die gerade aus der Kita kommt, zu: "Schade, einmal ein Parkplatz direkt vor der Kita und dann schon wieder weg. Schnell muss man eben sein."

So ist es. Schnell muss man sein. Und auf der richtigen Fahrbahnseite fahren. Dusselige Kuh.

Die Lautstärke hat sie dabei so gewählt, dass ich es genau höre. Aber sicher. Der sauber präparierte Giftpfeil muss schon treffen. Aber er prallt ab, wie alle anderen Giftpfeile vor ihm. Das ist das Beste, was man mit Giftpfeilen machen kann. Ich hör' das nur noch, damit ich es hier aufschreiben kann.

Es sind Momente wie dieser, die mich sicher sein lassen, dass die ganzen Geschichten über konzentrische Weltbilder egomanischer Prenzlmütter weder übertrieben noch schon erfunden sind. Sie sind wahr. Die Geschichten laufen hier rum. Und fahren Auto. Errichten Kinderwagenblockaden auf Bürgersteigen. Und sind sauer, wenn man ihnen den Parkplatz nicht frei lässt, damit sie statt mir dort parken können. Ja. Es gibt sie. Und sie sind alle hier. Ich weiß das. Ich wohne hier.

Glückwunsch. Honk. Und so weiter.

Plörre auf sechs Plakaten



Welch ein Werbeetat, der es hergibt, sechsmal nebeneinander das selbe Produkt zu bewerben. Hilft aber nix, ich mag das Spülwasser trotzdem nicht. Gutes Bier kann sowieso nicht aus dieser Stadt kommen. Es passt nicht hierher. Hier trinkt man Tannenzäpfle. Importiert. Kennsch des net?